Die Außenansicht auf das Centro Oberhausen im Winter 1997

O du fröhliche, o du selige….

Weihnachten – das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Oder doch ein Fest des Konsums?
Die Adventszeit ist in vollem Gange, das Jahr neigt sich dem Ende zu und viele nutzen diese Zeit, um Abstand von dem oft stressigen Alltag zu nehmen. Doch anstelle der gewünschten Entschleunigung bedeutet die Weihnachtszeit für viele vor allem eins: Stress. Plätzchen müssen gebacken, der Baum aufgestellt und geschmückt und Geschenke besorgt werden. Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet strömen ins CentrO, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Der Einzelhandel boomt, vom Onlinehandel ganz zu schweigen. Doch seit wann ist die Weihnachtszeit eine Zeit des Überkonsums geworden?

Ein Beitrag von Lea Stratmann

Der Ursprung des Weihnachtsfests liegt im Christentum und es galt zunächst als kirchlicher Feiertag. Nach christlichen Traditionen feiern die Menschen an diesen Tagen die Geburt Jesu Christi. Seit dem 19. Jahrhundert rücken die religiösen Aspekte immer weiter in den Hintergrund und weltliche Traditionen gewinnen mehr an Bedeutung. So verbinden wir heutzutage mit dem Nikolaus nicht mehr den heiligen Sankt Nikolaus, der sein Erbe an Bedürftige verschenkte, sondern den, 1931 von Coca-Cola ins Leben gerufenen, Weihnachtsmann mit rotem Anzug und Rauschebart, der den Kindern die Geschenke bringt. Neben weltlichen Traditionen spielt jedoch vor allem der Konsum eine immer wichtigere Rolle. Dies zeigt sich auch daran, dass „Weihnachten“ immer früher, in Form von Lebkuchen oder Dekorationen, in die Läden kommt. Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfests ist ein Phänomen des 20. Jahrhunderts und hängt mit dem Wandel des Konsums in den späten 50er und 60er Jahren zusammen. Durch das deutsche Wirtschaftswunder stiegen die Löhne und somit der Wohlstand vieler Menschen. Zugleich wurden immer mehr Produkte aus anderen Ländern importiert und Luxusgüter wurden zu verbreiteten Gebrauchsgütern. Die Menschen hatten somit die Möglichkeit zu konsumieren und wurden durch Werbung der Geschäfte dazu animiert. Durch den Wandel des Konsumverhaltens veränderten sich auch die Innenstädte. Immer mehr moderne Warenhäuser entstanden und verdrängten kleinere Bediengeschäfte. Bereits 1964 eröffnete der Ruhrpark in Bochum, als zweites Einkaufszentrum in der Bundesrepublik, seine Türen.

Diese Entwicklungen führten dazu, dass die Menschen mehr einkauften und materielle Konsumgüter eine immer wichtigere Rolle spielten. Der Trend hin zur Konsumgesellschaft machte auch vor Weihnachten nicht halt. Einzelhändler nutzten die Konsumbereitschaft der Bevölkerung aus und lockten die Konsument*innen mit Werbekampagnen, Rabatten und besonderen Einkaufevents. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Auch in der neuen Dauerausstellung wird, in dem Bereich „Alle sollen besser leben“, die Entstehung der deutschen Konsumgesellschaft thematisiert. Es wird untersucht, inwieweit Konsumgüter zum Ausdruck der eigenen Identität werden. Konsumgüter sind nicht länger nur Waren, sondern wurden zu Symbolen für die gesellschaftliche Stellung. Audiogeräte, Accessoires und bestimmte Düfte wie Echt Kölnisch Wasser spiegelten einen bestimmten Lebensstil wider.

Ein weltlicher Brauch, der heutzutage in vielen Familien zur Tradition gehört, ist der Wunschzettel. Diesen schreiben Kinder bereits seit dem späten Mittelalter um die Festtage herum, Aussehen und Inhalt haben sich jedoch im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt und zeigen, inwieweit die Konsumorientierung in der Weihnachtszeit immer weiter fortgeschritten ist. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit schrieben Kinder sogenannte Weihnachtsbriefe, in denen sie sich bei ihren Eltern für die gute Erziehung und Versorgung bedankten. Ab dem 20. Jahrhundert entstand der „moderne“ Wunschzettel in Form einer Liste, in der Kinder eintrugen, was sie sich vom Christkind wünschen. Ab den 1960er Jahren wurden die Wünsche auf den Wunschzetteln zunehmend materieller. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Hinzugekommen ist lediglich der Wunschzettel in digitaler Form, der per E-Mail und durch die sozialen Netzwerke an die Schenkenden versendet wird.

Auch wenn die Kommerzialisierung Weihnachtens bereits in den 60er Jahren kritisch betrachtet wurde, ist in den letzten Jahren eine neue Kritikwelle an der Konsumorientierung der Festlichkeiten entstanden. Der Aspekt der Nachhaltigkeit, der in der Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle spielt und ebenfalls in der neuen Dauerausstellung aufgegriffen wird, steht dem Überkonsum in der Weihnachtszeit gegenüber.

Ein nachhaltiges Weihnachten kann durch viele Aktionen gefördert werden. Man kann Geschenke selbst machen oder Geschenkpapier sparen, indem man wiederverwendbare Verpackungen, wie kleine Säckchen aus Stoff nutzt. Ein positiver Nebeneffekt: man umgeht das Einpack-Chaos mit Klebeband und Geschenkpapier. Auch der Weihnachtsbaum ist mittlerweile in vielerlei Form erhältlich. Er kann beispielsweise gemietet oder danach im Garten eingepflanzt werden. Auch eine wiederverwendbare Version, die jedes Jahr erneut den Einzug ins Wohnzimmer findet, kann gekauft werden. Um dem Überkonsum entgegenzuwirken, kann zum Beispiel ein Budget für Geschenke festgelegt werden. So hat trotzdem jede*r etwas unter dem Baum, aber es werden keine hunderte an Euros ausgegeben.

Auch geht der Trend dahin, die ursprüngliche Bedeutung des Fests wiederzuentdecken und den Fokus weniger auf materielle Geschenke zu setzten. Man verbringt Zeit mit der Familie oder Freund*innen und genießt das Zusammensein, Spiele und leckeres Essen. In diesem Sinne wünscht das Redaktionsteam der Zinkfabrik Altenberg besinnliche und entspannte Festtage!

Headerbild: Brigitte Kraemer

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