Die DDR (Deutsche Demokratische Republik) besaß einst eine Hochseefischereiflotte mit über 100 Dampfern. Über 35 Jahre nach der Wende gibt es nur noch wenige Schiffe, die unter der Flagge von Hammer, Zirkel und Ährenkranz fuhren. Was ist aus ihnen geworden und welche Geschichten verbergen sie? Vom 3. bis zum 8. September 2026 präsentiert das Kino im Walzenlager eine historisch-maritime Spurensuche – die Dokumentation „Vom Traum, unsinkbar zu sein“.
Ein Beitrag von Martin Kauder
Sie ist ein nahezu vergessener Teil der deutsch-deutschen Geschichte: die Hochseefischereiflotte der ehemaligen DDR. Bereits 1990 wurde sie im Zuge der Wiedervereinigung durch die Treuhand (die Institution, die die DDR-Wirtschaft kapitalistisch umbauen sollte) abgewickelt und ihre Schiffe umgenutzt. Heute erinnert nicht mehr viel an die Vorgänge von damals. Doch wer sucht, kann bis heute Überbleibsel der seinerzeit größten deutschen Flotte der Geschichte finden.

Bild: Kino im Walzenlager
Regisseur und Drehbuchautor Tom Fröhlich wurde kurz nach dem Mauerfall 1989 in Rostock geboren. In seinem neuen Film spürt er vier ehemalige Fischkähne aus Ostzeiten wieder auf: nicht weit weg in Hamburg, aber auch in Spanien, Dänemark und sogar auf Grönland. Obwohl – oder gerade weil? – diese ihren Zenit hinter sich haben, strahlen sie eine Geschichte aus, die für die einen längst vergessen, für andere aber sehr lebendig geblieben ist. Seeleuten aus der DDR versprach die Fischerei ein seltenes Tor zur Welt. Die Schiffe, auf denen sie fuhren, waren für sie Heimat und Sehnsuchtsort zugleich. Sie schufen Bindung und Zugehörigkeit. Die Erinnerung an gemeinsam Erlebtes schweißt die Ehemaligen bis heute zusammen.
Doch langsam verschwinden die Schiffe, die Hochseefischerei und mit ihnen die Verkörperungen einer geteilten Erfahrungswelt. Manche der Kutter und Kähne fahren unter anderer Flagge weiter, andere dienen als Kulturort. Leben, Arbeit und Nostalgie finden an Deck zusammen. Doch die allermeisten Dampfer teilen früher oder später dasselbe Schicksal: die Verschrottung. Der Film begleitet die ehemaligen und aktuellen Besatzungen der DDR-Schiffe, ergründet die besondere Beziehung zu „ihren“ Schiffen und zum Meer.
Der bekannte Schauspieler Charly Hübner, ebenfalls ein Kind des Ostens, erzählt die Geschichte(n) rund um die alten Stahlkolosse. Begleitet wird er vom Shanty-Chor „Luv und Lee“, der sich aus ehemaligen Mitgliedern des VEB (Volkseigener Betrieb) Fischfang Rostock zusammensetzt. „Vom Traum, unsinkbar zu sein“ berichtet von Menschen und Identität auf dem Meer zur Zeit des geteilten Deutschlands und darüber hinaus – ohne falschen Kitsch, aber doch empathisch gegenüber einer verlorenen gegangenen Welt. Film ab!
Weiterführend:
Grit Thönnissen, Das Ende der Hochseefischerei, in: zeitgeschichte-online, 11. Juli 2026; URL: https://www.zeitgeschichte-online.de/themen/das-ende-der-hochseefischerei (11.08.2026)
Anna Wollner, „Vom Traum, unsinkbar zu sein“: Doku über DDR-Hochseefischer, in: rbb24 Inforadio, 6. Juli 2026; URL: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:3d2de18b3c9a347b/ (11.08.2026)
Das Kinoprogramm im September
| Termine | 03.09., 04.09., 05.09., 07.09., 08.09. – 18.00 Uhr 06.09. – 16.00 Uhr |
| Sprache | Deutsch |
| FSK | 6 |
| Dauer | circa 87 Minuten |
| Kosten | 7,00 EURO (auch Rentner*innen und Auszubildende) |
| Ermäßigt | 6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose, Studierende) |
Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet Ihr auf der Homepage des Walzenlagers.
Anschrift
Kino im Walzenlager.
Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen
Bitte beachtet, dass die Adresse für den gesamten Gebäudekomplex, inklusive Museum, gilt.
