Warenhaus: Grafik eines Lichthofes in Kölner Leonhard Tietz-Filiale_Zinkfabrik Altenberg

Neues Zeug: Warenhauspostkarten

Shopping gab’s schon im Kaiserreich! Warenhäuser, in denen von Kleidung über Haushaltswaren, Lebensmitteln und Wohnungseinrichtung alles verkauft wurde, waren Ende des 19. Jahrhunderts eine sensationelle Neuheit.

In der neuen Dauerausstellung der Zinkfabrik Altenberg wollen wir zeigen, wie sich der Konsum um 1900 veränderte und was sich die Menschen tatsächlich leisten konnten. Das riesige Angebot der Warenhäuser, innovative Verkaufsaktionen, Freizeitaktivitäten und eine feste Preisauszeichnung lockten Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten an. Innovativ war auch die Tatsache, dass man nach Herzenslust schauen durfte, ohne zum Kauf verpflichtet zu sein. Grundsätzlich standen die Warenhäuser allen offen, was man sich tatsächlich leisten konnte, ob man beispielsweise mit einem schicken neuen Cape oder doch nur mit einem Päckchen Nadeln wieder ging, hing natürlich vom Geldbeutel ab.

Auf die richtige Inszenierung der Produkte wurde sehr viel Wert gelegt: Warenhäuser gehörten zu den ersten Unternehmen, die eigene Werbeabteilungen einrichteten und Dekorateure beschäftigten – ein ganz neues Berufsbild zu dieser Zeit.

Namhafte Architekten, wie Alfred Messel, Wilhelm Kreis und Josef Maria Olbrich, entwarfen vor dem Ersten Weltkrieg für viele Warenhaus-Filialen repräsentative Neubauten. Besonders der von Alfred Messel entworfene Wertheimbau (1896-1906) an der Leipziger Straße in Berlin wurde zum Vorbild für andere Architekten dieser Zeit. Die Gebäude entwickelten sich zu festen Größen und Orientierungspunkten in den Innenstädten.

Eine zentrale Neuheit in der Warenhausarchitektur waren Stahlskelettkonstruktionen, die es ermöglichten, tragende Wände wegzulassen und Fassaden mit großen Schaufensterflächen zu versehen. Die Fassade „öffnete“ sich so zur Straße hin. Die Schaufenster boten viel Platz, die Ware spektakulär zu inszenieren, was auch durch die elektrische Beleuchtung unterstützt wurde. Der Kölner Local-Anzeiger hob in einem Artikel vom 24.Oktober 1895 die Schaufenstergestaltung eines Kölner Leonhard Tietz-Hauses hervor: „Was mit Hülfe der Electricität heutzutage an Licht-Effecten geleistet werden kann, ist dort erreicht.“ [1] Ein weiterer Vorteil der Schaufenster war, dass sie auch abends Passanten anlockten, wenn die Geschäfte bereits geschlossen hatten.

Die großen Warenhäuser waren technisch auf dem neuesten Stand und beispielsweise mit Telefonanlagen, elektrischen Fahrstühlen und automatischen Kassen ausgestattet. Insgesamt machte diese moderne Einrichtung, insbesondere Elektrizität, der frühen Warenhäuser einen großen Teil ihres Reizes aus. Der Kölner Local-Anzeiger erwähnt neben dem elektrischen Fahrstuhl und der Zentralheizung explizit die „65 Bogenlampen und 200 Glühlichter“[2] der Tietz-Filiale.

Die Ansichten vieler Warenhäuser sind auf Postkarten überliefert, die teils in Eigenregie von den Warenhäusern und teils von externen Verlagen veröffentlicht wurden. Für die neue Dauerausstellung der Zinkfabrik Altenberg haben wir solche Postkarten als Beispiel einer wichtigen Entwicklung in der Konsumgeschichte angekauft.


[1] Kölner Local-Anzeiger vom 24.Oktober 1895, Nr.290, S.3. https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/262256

[2] Ebd.

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