Neues Zeug!

Ein Auto mit Kultcharakter? – Der Ford „Capri“

Seit etwas mehr als einem Jahr ist es ruhig geworden rund um unseren Sammlungszuwachs für die neue Dauerausstellung der Zinkfabrik Altenberg. Doch das ändert sich jetzt zukünftig wieder, denn von nun an führen wir die beliebte Reihe „Neues Zeug“ fort. Wir stellen euch in regelmäßigen Abständen nicht nur unsere neuesten Exponate vor, sondern auch, wo und warum sie ihren Platz in der neuen Dauerausstellung finden werden. Den Anfang macht einer unserer größten und wohl auch spektakulärsten Neuzugänge.

Ein Beitrag von Jonas Wingarz

Einige von euch wundern sich vielleicht, wenn sie hören, dass wir extra ein ganzes Auto für die neue Dauerausstellung angeschafft haben. Dafür mussten wir immerhin rund 15.000€ an ein Autocenter in Remscheid zahlen. Dabei handelt es sich aber nicht um irgendein Auto, sondern um ein hochgeschätztes Modell aus den 70er Jahren: den Ford „Capri“. In den 70er Jahren sah man dieses Exemplar regelmäßig auf den Straßen, aber heute gibt es immer weniger Modelle seiner Art. Laut dem aktuellen Deutschen Oldtimer Index (DOX) sorgte dieses Coupé dort nämlich für die größte Überraschung. Der Ford Capri I legte wegen seiner Seltenheit innerhalb von vier Jahren um 100% im Wert zu. Doch warum ist dieses Auto neben seinem Status als begehrter Oldtimer eigentlich gerade so interessant für uns als Industriemuseum, dass wir ihm einen großen Platz in unserer neuen Dauerausstellung einräumen wollen?

Unser Ford Capri in der Seitenansicht
Unser Ford Capri
Foto: LVR-Industriemuseum

Alle sollen besser leben

Einer von vier zukünftigen Ausstellungsteilen beschäftigt sich mit dem Streben nach einem besseren Leben in der Zeit des Wirtschaftswunders. Hier werden wir euch zeigen, dass das Arbeiten in durchrationalisierten Fabriken vielen Menschen erstmals ersehnte Dinge erschwinglich machte. Ein durch Massenkonsum angetriebenes Wachstum erzeugte Wohlstand für einen Großteil der Bevölkerung. Dadurch hatten die Menschen zunehmend Freiräume, ihr Leben selbstbestimmter zu gestalten. In der demokratischen Nachkriegsgesellschaft eröffneten sich daher für viele Bürger*innen neue Möglichkeiten, ihre Interessen wahrzunehmen. Einige dachten aber auch schon über die Folgen eines ausgreifenden Konsums für Mensch und Umwelt nach.

Wir (Sommer-)Urlauber

Ford Capri und die Wand mit Erinnerungsstücken aus verschiedenen Urlauben in der neuen Dauerausstellung
Ford Capri und die Wand mit Erinnerungsstücken aus verschiedenen Urlauben in der neuen Dauerausstellung
Foto: LVR-Industriemuseum

Es wird innerhalb dieses Teils einen eigenen Ausstellungsbereich zu bunteren und freieren Lebensentwürfen von den späten 1960er bis in die 1980er Jahre hinein geben, der in einer seiner Gruppen viele Dinge zum Thema in den Urlaub „fahren“ zeigt.

Dort könnt ihr als zukünftige Besucher*innen in der Mitte eine große Plaza betreten und den Ford Capri sowie unter anderem einige Figurinen in Alltagskleidung der 70er Jahre sehen. Wir platzieren das Auto dabei direkt neben einer Ausstellungsgruppe, die Erinnerungsstücke an den Sommerurlaub aus unserer Sammlung präsentiert. Dazu gehören zum Beispiel Bademode, Postkarten und viele verschiedene Souvenirs aus Spanien, Italien oder auch Deutschland.

Der Ford „Capri“ weist hier darauf hin, dass die Menschen in Deutschland mit dem Auto erstmals viel weitere Strecken zu ihrem Urlaubsziel zurücklegen konnten. Zudem prägten Autos ganz generell das Stadtbild in den 70ern. Durch das eigene Auto wuchs die Mobilität auch hinsichtlich des eigenen Arbeitsplatzes: Pendelwege wurden zwar weiter, aber keiner war mehr gezwungen, unmittelbar bei der Industrie zu wohnen. Ein eigenes Auto zu besitzen, war demnach Wunsch- und Statusobjekt zugleich. Erst die Ölkrisen der 70er Jahre stellten die Selbstverständlichkeit dieser neu gewonnenen Freiheit wieder in Frage. Aufgrund stark steigender Ölpreise begannen einige Menschen, ihren jetzigen Lebensstil zu hinterfragen und sich Gedanken über eine nachhaltigere Weise zu machen.

Ein Name wie ein Sehnsuchtsort – eine Erfolgsgeschichte?

Den ikonischen Namen borgten sich die Autobauer bei Ford von der berühmten gleichnamigen Insel im Golf von Neapel und bewarben das Vehikel bei Markteinführung mit dem Spruch: „Das Auto, das Sie sich immer gewünscht haben“. Doch was zeichnet den Ford „Capri“ nun als Kultgefährt aus, dass er auch heute noch eine große Fanbasis hinter sich vereint? Dieses Modell versprach, ein sportlicher Flitzer zu einem relativ erschwinglichen Preis zu sein. Anfang 1969 herausgebracht, wurden bis 1986 immerhin insgesamt fast zwei Millionen Stück verkauft. Bereits in den ersten Monaten gingen schon 50.000 Bestellungen bei dem Autobauer ein. Mit soliden Maßen wie 129 cm Höhe, 165 cm Breite, einer Länge von bis zu 4,31 m und einem Leergewicht von 980 kg hatte er nicht nur die Optik eines Sportwagens, sondern bot auch genug Platz, um die ganze Familie (zum Urlaubsziel) mitzunehmen. Entscheidend war wohl auch der günstige Preis von „nur“ 6.995 DM in der Basisversion.

Kultstatus

Zwischen 1969 und 1986 erschienen insgesamt drei Generationen des Ford „Capri“. Die erste Generation, wozu unser Exemplar gehört, wurde bis 1973 produziert. In dieser Zeit wurden 784.000 Fahrzeuge im Kölner Werk gebaut, wovon 244.000 auf deutschen Straßen ihre Heimat fanden. Vor allem der 2600 RS, welcher im September 1970 das Licht der Autosalons erblickte, eroberte als bis dahin sportlichste Variante nachhaltig die Herzen der Fans. Er begründete den heutigen Ruf des „Capri“ als begehrter Oldtimer. Wir wollen unser Modell allerdings als Zeugnis seiner Zeit in unserer neuen Dauerausstellung präsentieren. Er symbolisiert, dass das Auto als Statusobjekt und Reisegefährt galt.

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5 comments

  1. „Capri“ – da schwingen noch Reste der deutschen Reise- und Südsehnsucht der 50er/60er mit.
    Toll, dieses Exponat bald bestaunen zu dürfen!

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