Abgedunkelter Vorführraum des Kinos im Walzenlager.

FABRIKKINO: UNENDLICHER RAUM

Von Donnerstag, den 21.11. bis Dienstag, den 25.11.2024 präsentiert das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Kooperation mit dem Kino im Walzenlager den Dokumentarfilm „Unendlicher Raum“ des Regisseurs Paul Raatz, der thematisch an die Inhalte der neuen Dauerausstellung anknüpft.

Ein Beitrag von Jacqueline Drywa

Loitz ist eine kleine Landstadt in Mecklenburg-Vorpommern, nur 30 Minuten von der Ostsee entfernt. Bis nach Stralsund sind es lediglich 50 Kilometer. Ein kleiner ansprechender Stadtkern und der Fluss Peene, der einmal quer durch die Stadt fließt, prägen den historischen Ort. Trotzdem gilt Loitz als einer der Verliererorte im Osten Deutschlands und der ehemaligen DDR. Über die letzten 30 Jahre ist ein beunruhigend großer Teil der Bevölkerung weggezogen, sodass es aktuell nur noch rund 4300 Einwohner*innen sind und ein großer Leerstand an Häusern besteht. Ein weiterer Rückgang soll durch attraktive Zukunftsprojekte verhindert werden, die unser aktueller Fabrikkinofilm „Unendlicher Raum“ dokumentarisch begleitet:

Eines dieser Projekte leitet das Künstler*innenpaar Annika und Rolando aus Berlin. Sie sind im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Zukunftsstadt 2030+“, den Loitz neben Städten wie Gelsenkirchen und Dresden gewonnen hat, vorläufig für ein Jahr in den Ort gezogen und erhalten dort eine Unterkunft sowie ein Basiseinkommen. Während dieser Zeit erwecken die beiden eines der vielen leerstehenden Gebäude wieder zum Leben und schaffen einen kreativen Treffpunkt für Bürger*innen. Ein weiteres Projekt ist die Planung eines Musikfestivals, das die gesamte Gemeinde einbeziehen und den Ort attraktiver und interessanter machen soll.

Das Bild zeigt das Filmplakat zu der Dokumentation 'Unendlicher Raum'. Der Titel steht und dicker Schrift, in gelb, ganz oben auf dem Plakat und nimmt ungefähr 1/4 des Bildes ein. Daneben stehen in klein weitere Informationen zum Film. Unten auf dem Bild sieht man einen Teil eines kaputten Hauses. Es stehen lediglich zwei Mauern ohne Dach. Man erkennt noch drei Fenster auf der linken Seite. Der untere Teil des Hauses befindet sich außerhalb des Bildbereiches. den Rest des Bildes füllt ein hellblauer Himmel, ohne Wolken.
Filmplakat Unendlicher Raum Bild: Kino im Walzenlager

Die Dokumentation begleitet aber auch die bereits dort lebenden Menschen und schaut sich deren Alltag an. Was macht die ältere Generation und womit beschäftigen sich die Jugendlichen? Der für Produktion und Kamera verantwortliche Jean-Pierre Meyer-Gehrke und der Regisseur Paul Raatz besuchen die Dorfbewohnenden und dokumentieren den Wunsch, der Stadt wieder Leben einzuhauchen. Daraus ergeben sich spannende Fragen: Funktioniert das alles? Können Impulse von außen die Stadt im Inneren langfristig und effektiv verändern? Wie lebt es sich in einer sterbenden Gemeinde und was macht das Leben dort lebenswert?

Loitz ist kein Einzelfall. Vor allem die kleinen Gemeinden müssen sich neue Konzepte überlegen, um ihre Bewohnenden zu halten und bestmöglich neue zu gewinnen. Dieser Umbruch und stetige Wandel findet nicht nur in kleineren Ortschaften statt, sondern auch in Großstädten und Ballungsregionen. Gerade das Ruhrgebiet zeigt, wie sich eine ganze Region, die von Industrie geprägt war, in kürzester Zeit neu entwickeln musste. Viele Fabriken standen plötzlich leer und es gab große Flächen, die für eine neue Nutzung frei wurden. Die Städte standen vor der Frage: Abriss oder Erhaltung?

Auch die Zinkfabrik Altenberg wurde mit ihrer Schließung 1981 zu einem solchen Ort. Diese hatte zwei verschiedene Gründe: Auf der einen Seite war die Strukturkrise des Bergbaus zu spüren. Die Umsätze sanken, die Anzahl der Beschäftigten lag nur noch bei rund 130. Zur Hochzeit 1913 waren es noch etwa 340 gewesen. Der Mutterkonzern Vieille Montagne – französisch für „Alter Berg“ – beschloss, die Produktion nach Essen-Vogelheim zu verlagern und die produzierten Teile anzupassen. Aus Fallrohren wurden beispielsweise Gitterroste.

Das Foto zeigt einen Ausschnitt aus der Zinkfabrik Altenberg, aus dem Jahre 1989. Es handelt sich um eine Schwarz-Weiß-Aufnahme. In der Halle steht mittig das Gestell eines Gießkarussells. Dahinter befindet sich ein großer, rechteckiger Ofen. Auf dem Boden liegt vereinzelt Pappe oder andere Platten. Rechts im Vordergrund sind Stahlträger der Fabrik zusehen und im Hintergrund sieht man die Fenster in den Mauern der Fabrik.
Walzhalle der Zink Altenberg im Jahre 1989 Fotografin: Claudia Bruch

Ein weiterer Grund und wahrscheinlich der Hauptanlass war, dass die Stadt Oberhausen weitreichende Umstrukturierungen plante. Man erwartete einen großen Bevölkerungszuwachs und wollte die Stadt darauf vorbereiten. Dafür sollten beispielswiese die Industrieanlagen raus aus der Innenstadt, um dort Wohnraum und Freizeitorte zu schaffen.

Die für den Bereich um den Hauptbahnhof herum entwickelten Konzepte erhielten die Namen „City West I“ und „City West II“. „City West I“ beinhaltete die Neunutzung des ehemaligen Geländes des Zeche Concordia, genauer der Schachtanlagen 1 und 2/3. Dort entstand eine große Fläche für neuen Wohnraum an der Bebelstraße und das Einkaufszentrum Bero, das 1971 eröffnete. „City West II“ beinhaltete ähnliche Pläne für das Altenberggelände, vor allem die Errichtung neuer Häuser. Nach einer gewissen Zeit wurde jedoch klar, dass Oberhausen nicht den Bevölkerungszuwachs erfahren würde, der angenommen worden war. Die Umsetzung des Projekts geriet ins Wanken.

Im gleichen Zuge schloss sich eine kleine Gruppe kreativer Menschen zusammen. Sie wollten den Ort erhalten und ihn für Themen wie Kunst, Politik, Musik, Theater und Alternatives öffnen. Die Menschen sollten einen Platz haben, an dem sie sich ausleben und ihrer Kreativität freien Lauf lassen konnten. Die Verhandlungen mit der Stadt und weiteren Akteur*innen waren nicht immer einfach und erforderten viel Durchhaltevermögen, aber man arrangierte sich. Aus diesen wilden Zeiten, in denen mit einem alten Kessel aus den Duschen der Kaue geheizt wurde und Gruppen wie die „Missfits“ ihre ersten Auftritte feierten, entstand ein etabliertes Kulturzentrum. Seit Jahrzehnten ist das Zentrum Altenberg Ort für Konzerte, Disco, Theater und andere Veranstaltungen.

Doch das Gelände kann mehr als Kultur. Zu den Gründereinrichtungen gehört Terre des Hommes Oberhausen, eine Organisation, die sich von Beginn an für Kinder weltweit und vor Ort einsetzt. Sie trägt einen wichtigen Teil zur Bildungs- und Jugendarbeit bei und fördert das Zusammenleben von ausländischen und deutschen Mitbürger*innen. Neben vielen weiteren Akteur*innen, wie dem Verein für Aktuelle Kunst e. V., befindet sich auch Starthilfe e. V. auf dem Gelände. Der Verein unterstützt Menschen bei der Stellensuche und der Wiederaufnahme von Arbeit und bietet Arbeitsrechtberatung an. Ein paar Jahre später kam der Landschaftsverband Rheinland (LVR) dazu und es begannen großangelegte Umbauarbeiten. Das Gelände wurde saniert und aufbereitet, sodass 1997 das damalige Rheinische Industriemuseum mit seiner Ausstellung „Schwerindustrie“ seine Türen öffnen konnte.

Heute ist dieser ehemals von Industrialisierung und Arbeit geprägte Ort zu einem Raum für Kultur, Zusammenschluss und Geschichte geworden. Das wollen wir auch in der neuen Dauerausstellung zeigen. Wir erzählen damit unsere eigene Geschichte und präsentieren sie als Beispiel für die gelungene Verwandlung ehemaliger Fabrikanlagen in vielfältig genutzte Begegnungs- und Kulturstätten.

Das Kinoprogramm im November

Termine21.11., 22.11., 25.11., 26.11. – 18.00 Uhr
24.11. – 16.00 Uhr
Sprachedeutsch
Dauercirca 94 Minuten
Kosten7,00 EURO (auch Rentner*innen und Auszubildende)
Ermäßigt6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose, Studierende)

Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet Ihr auf der Homepage des Walzenlagers.

Anschrift

Kino im Walzenlager.
Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen

Bitte beachtet, dass die Adresse für den gesamten Gebäudekomplex, inklusive Museum, gilt.

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