Von Donnerstag, den 23.01. bis Dienstag, den 28.01.2025 präsentiert das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Kooperation mit dem Kino im Walzenlager den Dokumentarfilm „Ich tanz, aber mein Herz weint“ des Regisseurs Christoph Weinert, der thematisch an die Inhalte der neuen Dauerausstellung anknüpft.
Ein Beitrag von Jacqueline Drywa
Musik verbindet uns, Musik schafft Identität. Wir drücken uns mit ihr aus und können andere Menschen damit faszinieren. Doch was passiert, wenn diese auf einmal für immer verschwunden ist? In der Nacht des 9. Novembers 1938, bekannt als „Reichspogromnacht“, stürmen SS-Soldaten die Geschäfte von jüdischen Mitbürger*innen, schlagen Schaufensterscheiben ein und zerstören systematisch die gesamten Läden. Darunter auch die beiden Plattenlabels Semer und Lukraphon aus Berlin, mit damals bekannten und geliebten Sänger*innen wie Dora Gerson. Auf einen Schlag sind alle Werke vernichtet und die Musik scheint verloren.

Nach über 70 Jahren und vielem Suchen, tauchen einige der alten Schellackplatten überraschend wieder auf. Sie wurden in dem Keller eines Abrisshauses nahe Tel Aviv gefunden. Es wird deutlich, wie besonders und einzigartig dieser Fund ist. In dem Dokumentarfilm „Ich tanz, aber mein Herz weint“ wird die Musik wieder zum Leben erweckt. Ein hochkarätiges Ensemble arrangiert die Lieder neu. Es spielt mit den Einflüssen der 1920er bis 30er Jahre und der heutigen Sichtweise auf und dem Wissen über Musik. Der Film beschäftigt sich mit den Hintergründen und gibt gleichzeitig der Musik genug Raum.
In der „Reichspogromnacht“ wurde nicht nur das Hab und Gut und die Existenz jüdischer Menschen zerstört, Schulen, Synagogen und Wohnungen wurden ebenfalls verwüstet. Jüdische Mitbürger*innen wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Dora Gerson, Schauspielerin und Sängerin des Labels Lukraphon, wurde 1943 zusammen mit ihrer Familie im KZ Auschwitz ermordet.
Durch die Flucht und Deportation vieler Juden, standen vollausgestattete Wohnungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern leer, gleichzeitig hat der Krieg viele Gebäude zerstört. In der neuen Dauerausstellung berichten wir von der sogenannten „M-Aktion“ in Oberhausen, die in ähnlicher Form in ganz Deutschland stattgefunden hat.
Bei der „Möbel-Aktion“ wurden die zwangsenteigneten Möbel von Juden und Jüdinnen aus Frankreich und den Benelux-Ländern nach Deutschland geschaffen, um hier versteigert zu werden. Das NS-Regime wollte sich dem Rückhalt in der deutschen Zivilbevölkerung auch während der Luftangriffe stets gewiss sein und hat in diesem Zusammenhang die „M-Aktion“ ins Leben gerufen. Aus etwa 70.000 Wohnungen wurden bis 1944 insgesamt eine Million Kubikmeter Möbel über Sammellager ins Deutsche Reich transportiert und dort wiederum bis zur Versteigerung zwischengelagert.
Der Film schafft eine Verbindung zwischen den grausamen Verbrechen und der Freude an der Musik, die nun wieder gehört werden kann.
Das Kinoprogramm im Januar
| Termine | 23.01., 24.01., 27.01., 28.01. – 18.00 Uhr 26.01. – 16.00 Uhr |
| Sprache | englisch mit deutschen Untertiteln |
| Dauer | circa 94 Minuten |
| Kosten | 7,00 EURO (auch Rentner*innen und Auszubildende) |
| Ermäßigt | 6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose, Studierende) |
Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet Ihr auf der Homepage des Walzenlagers.
Anschrift
Kino im Walzenlager.
Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen
Bitte beachtet, dass die Adresse für den gesamten Gebäudekomplex, inklusive Museum, gilt.