Rotes Schild mit Notrufnummer der Feuerwehr

„Florian WF Babcock“

Hierbei handelt es sich um den Funkrufnamen der 1928 gegründeten Werkfeuerwehr Babcock. Doch warum Florian? Und was macht überhaupt eine Werkfeuerwehr?

Ein Beitrag von Lea Stratmann

Der Name Florian wird seit dem Zweiten Weltkrieg in ganz Deutschland als Funkrufname der Feuerwehr verwendet. Dies ist auf den Heiligen Florian von Lorch zurückzuführen, der seit dem 15. Jahrhundert als Schutzpatron der Feuerwehrleute gilt. Darstellungen zeigen Florian als römischen Legionär mit einem Wasserkübel in der Hand. Der Legende nach soll er durch Gebete ein brennendes Haus gelöscht haben und am 04. Mai 304 n.Chr. in einem Fluss ertränkt worden sein. Sein Todestag gilt seit 1999 weltweit als „Internationaler Tag der Feuerwehrleute“. Anlässlich dieses Tages bietet es sich an, einen Blick auf die Werkfeuerwehr Babcock und ihre Mitglieder zu werfen.

Bei der Werkfeuerwehr handelt es sich, im Gegensatz zur Berufs- oder Freiwilligen Feuerwehr, um eine betriebseigene, privat finanzierte Löscheinheit. Ihr Einsatzgebiet beschränkt sich zumeist auf das Firmengelände, wo sie für Sicherheit sorgen soll. Sie kümmert sich um Brände und Unfälle, ist aber auch für einen vorbeugenden Brandschutz zuständig.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bekam die Feuerwehr eine immer größere gesellschaftliche Relevanz. Bereits 1851 wurde in Berlin die erste Berufsfeuerwehr gegründet. Als während der Hochphase der Industrialisierung die Unfallzahlen in den Fabriken anstiegen, wurde die Notwendigkeit einer betriebseigenen Instanz, die für Sicherheit sorgte, immer größer. Auch im Ruhrgebiet entschieden sich immer mehr Betriebe für den Aufbau einer Werkfeuerwehr. Vorreiter waren hier die in Gelsenkirchen ansässige Zeche Rheinelbe und Alma und der Stahlkonzern Thyssen Krupp. Beide hatten bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine betriebseigene Feuerwehr. Auch in Oberhausen entstanden zu dieser Zeit immer mehr Werkfeuerwehren. Neben der, noch bis heute bestehenden, Feuerwehr der Ruhrchemie gab es auch in der Gutehoffnungshütte in Sterkrade eine Werkwehr. 1928 schloss sich auch das Unternehmen Babcock am Standort Oberhausen an. Auslöser war ein Großbrand in der Modeschreinerei im selben Jahr, der viele Opfer forderte. Neben der Feuerwehr wurde auch ein Rettungstrupp ausgebildet, der sich um verletzte Arbeiter kümmern sollte.

mehrere Utensilien der Feuerwehr aus den 1930er Jahren
Utensilien der Feuerwehr aus den 1930er Jahren Foto: LVR-Industriemuseum

Die Mitgliedschaft der Werkfeuerwehr erfolgte auf freiwilliger Basis. Voraussetzungen waren Gesundheit und ein Mindestalter von 21 Jahren. Während ihrer Mitgliedschaft in der Werkfeuerwehr waren die Feuerwehrleute von ihren ursprünglichen Arbeiten freigestellt. Nicht wenige blieben ihr gesamtes Arbeitsleben über Mitglieder der Werkswehr. Die Männer sahen in der Feuerwehr oftmals nicht nur ihre Arbeit, sondern ihre Berufung. Auch über die Arbeitszeiten hinaus prägte sie ihren Alltag. In der Freizeit wurden Feuerwehrfeste geplant, oder Aktivitäten mit den Kollegen unternommen. Bei einem dieser Feste wurde die sogenannte Frauenwehr Babcock gegründet, in der die Frauen der Feuerwehrmänner an Löscharbeiten teilnehmen konnten. Viel ist über die Frauenwehr nicht bekannt, vermutlich war sie eher als Zeitvertreib, denn als wirkliche Brandwache gedacht. Dennoch zeigt die Frauenwehr, dass sich eine Mitgliedschaft in der Werkfeuerwehr auf die ganze Familie ausgewirkt hat. Nicht selten wurde die Mitgliedschaft über Generationen hinweg weitergegeben. Auch heute sehen viele Feuerwehrleute in ihrer Arbeit mehr als nur einen Beruf.

Neben den feuerwehrtypischen Aufgaben, wie Brandpräventionen und -löschung, gehörten für die Werkfeuerwehr auch andere, unternehmensspezifische Tätigkeiten zur Tagesordnung. Die regelmäßige Bergung und Versorgung verunglückter Arbeiter, aber auch die routinemäßige Säuberung des Schlammbeckens in der Gießerei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Werkfeuerwehr Babcock sowohl personell als auch materiell vor einer Herausforderung. Sie musste nahezu vollständig neu aufgebaut werden. Zunächst startete sie mit nur zehn Mitgliedern, baute sich im Laufe der Jahre aber wieder eine Mitgliedschaft von über 30 Personen auf. Fahrzeuge und Ausrüstung waren im Krieg verwendet und zerstört worden. Deshalb arbeitete die Feuerwehr zunächst mit Notlösungen wie Handkarren und eingefärbten Uniformen, bis die finanziellen Mittel eine Neuanschaffung ermöglichten.

Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens veranstaltete die Werkfeuerwehr einen Wettkampf, an dem alle Feuerwehrleute aus Oberhausen teilnehmen und sich in Disziplinen wie Schlauchaufrollen oder Wasserschlauchschießen, messen konnten. Dieser Wettkampf kann als frühe Miniaturausgabe der „World Firefighter Games“ gesehen werden, bei denen seit 1990 regelmäßig Feuerwehrleute aus aller Welt zusammenkommen, um in feuerwehrtypischen Disziplinen gegeneinander anzutreten.

Aufnäher der "Word Firefighter Games" mit Lorbeerkranz und Logo der Veranstaltung
Aufnäher der neunten „World Firefighter Games“ in Hongkong

Die Insolvenz der Babcock Borsig 2002 bedeutete auch das Ende der Werkfeuerwehr Babcock. Jedoch kaufte der damalige Wehrführer Jürgen Ungerer mit seinem privaten Vermögen die Ausrüstung der Werkfeuerwehr auf und führte diese als Betriebsfeuerwehr in Oberhausen weiter. 2023 wurde allerdings auch diese aufgelöst – das endgültige Ende der Geschichte der Werkfeuerwehr Babcock.

Wenn Sie gerne noch mehr über die Werkfeuerwehr Babcock erfahren möchten, können Sie dies in den Ausgaben 1/2015 und 2/2015 des „Schichtwechsels“ nachlesen. Hier finden sich noch weitere Artikel mit interessanten Informationen über die Werkfeuerwehr und ein Interview mit einem langjährigen Mitglied.

Headerbild: LVR-Industriemuseum

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