GHH-Hauptlagerhaus und Verwaltungsgebäude von hinten, nach der Fertigstellung

100 Jahre Peter-Behrens-Bau

100 Jahre ist es her, dass der Peter-Behrens-Bau an der Essener Straße in Oberhausen seine Türen geöffnet bzw. seinen Betrieb aufgenommen hat. Denn er war nicht immer als Peter-Behrens-Bau bekannt. Angefangen hat er als GHH-Hauptlagerhaus.

Ein Beitrag von Jacqueline Drywa und Holger Klein-Wiele

Die Gutehoffnungshütte (GHH) hat bereits vor dem Ersten Weltkrieg zu den größten Konzernen der deutschen Eisen- und Stahlindustrie gezählt. Bereiche wie die Maschinen- und Brückenbauabteilungen waren wichtige Elemente des Unternehmens. Dieses legte besonderen Wert darauf, vom Eisen bis zum fertigen Produkt alles im eigenen Werk zu fertigen.

Vor allem aus diesem Grund wurde ein neues Depotgebäude von der GHH geplant. Es sollte allerlei Ersatzteile beherbergen können. Diese konnten Betriebsmittel, Verbrauchsgüter, Werkzeuge, Schrauben und Fahrradschläuche, aber auch Glühbirnen und Schreibpapier umfassen – alles, was zu einer reibungslosen Produktion beiträgt, um Verzögerungen, unnötige Kosten oder womöglich Stillstand zu umgehen.

Um dieses Gebäude zu entwerfen, wurde ein beschränkter Wettbewerb ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt der bereits bekannte Architekt Peter Behrens, der im Industrie- und Wohnsiedlungsbau erfahren war. Er designte zu der Zeit noch viele andere Dinge, wie Geschirr, Kleidung und Elektrogeräte Peter Behrens gilt heute als Mitbegründer moderner Baukunst. Anlässlich der Bauausstellung in Berlin 1931 antwortete er auf die Frage, welches seiner Bauwerke er für seine beste und reifste Schöpfung halte: „Ich bin gern bereit, Ihnen Aufnahmen von einem größeren Gebäude, das in der letzten Zeit entstanden ist und mir selbst als das erscheint, an dem es mir gelungen ist, meine Kunstanschauung am klarsten verwirklichen zu können, zu überlassen. Es sind dieses das Zentralmagazin und das zugehörige Verwaltungsgebäude der Gutehoffnungshütte Oberhausen AG, Rheinland.“

Neben dem Hauptlagerhaus entstand zudem ein Verwaltungs- und Wohngebäude, welches sich im rechten Winkel zu dem parallel zur Essener Straße verlaufenden Lagerhaus befindet. Das Hauptlager, nun der Peter-Behrens-Bau, hat eine Länge von 90 Metern und eine Höhe von 30 Metern. Der beeindruckende Aufbau des Gebäudes ist vom ersten bis zum letzten Ziegelstein durchdacht. Er ist von allen Seiten symmetrisch und gibt durch verschiedene Gewichtsgrenzen auf den Etagen Lagerungsmöglichkeiten vor. Außerdem bietet er durch seine Stahlskelettkonstruktion im Innenraum jeweils 6×6 Meter große und praktische Rasterflächen. So wurden im Erdgeschoss mit einer Maximallast von fünf Tonnen pro Quadratmeter die Waren geprüft und über einen der beiden Lastenaufzüge auf die verschiedenen Etagen verteilt. In den beiden oberen Geschossen des Gebäudes mit insgesamt sechs Stockwerken und einem Keller wurden aufgrund der Höchstlast von 500 bzw. 1000 Kilogramm pro Quadratmeter Dinge, wie Textilien oder Büromaterial verstaut.

Stahlskelettbau des GHH-Hauptlagerhauses auf einer Werbebroschüre, schräg von der Seite
Stahlskelettbau: Abbildung des GHH-Hauptlagerhauses
im Bau auf einer Werbebroschüre der GHH von 1926

Die Funktion als Lagerstätte behielt der Peter-Behrens-Bau über seine Jahre bei, auch als der Standort Oberhausen 1968 von der August-Thyssen-Hütte, später Thyssen Niederrhein AG, übernommen und nach seiner Schließung in den 1980er Jahren 1992 durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) erworben wurde.

Heute ist das Hauptlagerhaus der GHH das Sammlungsdepot des LVR-Industriemuseums. Es beherbergt Objekte der rheinischen Industrie- und Alltagsgeschichte, die Sammlung des Deutschen Kunststoffmuseums, eine Sammlung von Industriedenkmälern sowie eine der größten textilen Sammlungen an Alltagsbekleidung und viele weitere spannende Objekte.

Zudem befindet sich seit 1998 die Dauerausstellung „Peter Behrens – Kunst & Technik“ zu Leben und Werk von Peter Behrens im obersten Stockwerk. Diese wurde 2018 modernisiert und zeigt zudem, dass Peter Behrens weit mehr als ein Architekt war. Des Weiteren ist der PBB immer wieder Ort für Sonderausstellungen und Großevents. Die Ausstellung „Klasse & Masse – Kunststoffdesign im Alltag“ (2023) sowie das NRW-weite Industriekulturfestival FUTUR 21 mit der Lichtinstallation WATERLICHT von „Studio Roosegaarde“ fanden im PBB statt. Letzteres tauchte den Peter-Behrens-Bau mitsamt Vorplatz in ein blaues, nebeliges Lichtermeer.

Ausschnitt aus der Sonderausstellung „Klasse & Masse. Kunststoffdesign im Alltag“, 2021-2022 auf dem einzelne Objekte, wie Schreibmaschinen oder Fernseher aufgestellt sind.
Blick in die Sonderausstellung „Klasse & Masse.
Kunststoffdesign im Alltag“, 2021-2022

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