Heute werfen wir mal wieder einen Blick hinter die Kulissen der Planungen zu unserer neuen Dauerausstellung. Ein wichtiger Baustein darin ist die Nutzung digitaler Werkzeuge, denn das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg hat das Ziel, eine moderne, ansprechende Ausstellung zeigen zu können. Eines dieser Werkzeuge verdient in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit: Medienstationen!
Ein Beitrag von Martin Kauder
Museen wandeln sich stetig. Betritt man heutzutage eine nach neuesten Konzepten gestaltete Ausstellung, zeigt sich das oft schon durch den ersten optischen Eindruck. Die Zeiten, in denen Museen mit großen, verglasten Holzvitrinen voller Objekte und ellenlangen Texttafeln vollgestellt wurden, sind passé. Nicht nur architektonisch haben sich im wahrsten Sinne Räume geöffnet, sondern auch inhaltlich. Der klassische „Frontalunterricht“, in erster Linie auf einseitige Wissensvermittlung ausgerichtet, hat neuen Herangehensweisen Platz gemacht, die Interaktionen anregen und spielerische Zugänge zum musealen Konzept ermöglichen sollen. Dabei macht man sich die menschlichen Sinne auf vielfältige Art zunutze. Beispiele dafür kennt man vielleicht schon von früheren Museumsbesuchen. So gibt es sogenannte „Hands-On-Elemente“, in denen Objekte berührt und bewegt werden können (Tastsinn). Neben Bildern werden vielerorts kurze Filme gezeigt oder Projektionen an Wände geworfen. Dadurch wird Bewegung in einem sonst statischen Raum erzeugt (Sehsinn). „Soundduschen“ oder „Hörknubbel“ ermöglichen es, Musik, Interviewausschnitte oder sonstige Tondokumente wiederzugeben (Hörsinn). Riechstationen eröffnen einen ganz direkten Zugang zu unterschiedlichsten Düften der Vergangenheit und Gegenwart (Geruchsinn). Und last but not least gibt es, je nach Museum, sogar die Möglichkeit, den Geschmacksinn einzusetzen – man denke an den bekannten Brunnen des Kölner Schokoladenmuseums. Unsere alte Dauerausstellung hat manche dieser Mittel bereits genutzt – die neue soll darauf aufbauen.

Doch nicht allein Interaktivität ist ein wichtiger Faktor in der Ausstellungsgestaltung. Die rasanten Entwicklungen der Digitalisierung haben im Hinblick auf die Technik, die in Museen zum Einsatz kommt, sichtbare Spuren hinterlassen. Besonders jüngere Generationen sind inzwischen daran gewöhnt, Bildschirme und Touchscreens unterschiedlicher Größe zu verwenden. Viele vormals analoge Inhalte sind in den digitalen Raum gewandert – Menschen lesen Bücher auf dem Tablet, machen statt handschriftlicher Notizen Notes auf dem Handy. Das Smartboard hat in Schulen die Tafel oft vollständig ersetzt. Dieser Wandel der Technik, mit all seinen Vor- und Nachteilen, führt unweigerlich zu einem Anpassungsdruck. Will man als Museum attraktiv bleiben und das Interesse der Gäste nicht verlieren, ist es notwendig, Information, Spaß und Spannung auf innovative Art auch im digitalen Raum zu verbinden.
Unsere neue Dauerausstellung will die Ansprüche, die Interaktion und Digitalität an Museen stellen, mithilfe von Medienstationen unterschiedlichen Typs erfüllen. Diese umfassen Film- und Audiopräsentationen, aber auch Spiele und intuitive Informationsterminals, die nach Belieben ausprobiert werden können und zum Entdecken anregen. Um diese Stationen gut in die Ausstellung integrieren zu können, ist ein hohes Maß an Vorplanung nötig. Es muss geklärt werden, wo eine Station aufgebaut werden soll, welche Technik und welches Material dafür nötig sind. Dann gibt es eine Vielzahl inhaltlicher Fragen: was soll die Station darstellen? Handelt es sich um ein Spiel, eine explorative (also entdeckerische) Station oder ein reines Display? Zum Dritten: Welche Funktionalitäten soll die Station anbieten und welche Programmierung ist dafür nötig? Dafür werden im Vorfeld viele Gespräche geführt und Pläne entworfen, die dabei helfen, auf den richtigen Weg zu kommen. Das LVR-Industriemuseum arbeitet dafür mit dem Gestaltungsunternehmen Duncan McCauley aus Berlin zusammen.

Im Folgenden möchten wir ein paar der geplanten interaktiven Stationen vorstellen. Die gezeigten Abbildungen entstammen den Plänen für die neue Dauerausstellung. Diese sind schon fortgeschritten, es handelt sich aber dennoch um Entwürfe. Die genaue Gestalt der Stationen und das Benutzerinterface können sich dementsprechend noch verändern.
1.) Unsere Ausstellung findet bekanntermaßen in der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg ihren Platz. Um die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ortes erfahrbar machen zu können, haben wir den Zustand der Fabrik um 1914 in ein digitales Modell gegossen, das man über den Bildschirm virtuell durchlaufen kann. Die einzelnen Fabrikbereiche können so über 3D-Grafiken und Infotexte entdeckt und mit einem scharfen Blick in die Umgebung auch mit dem Jetzt-Zustand verglichen werden.


2.) Zu Zeiten der Hochindustrialisierung galten andere Maßstäbe im Hinblick auf das, was in der Fabrikarbeit gestattet oder untersagt war. Im Entscheidungsspiel „Erlaubt oder Verboten?“ muss abgewogen werden – was war möglich, und was ging gar nicht? Hätte ein 14-Jähriger einfach so in einer Fabrik arbeiten können? Das ein oder andere Ergebnis wird sicher überraschen!

3.) Das Leben einer Arbeiterfamilie im 19. Jahrhundert war häufig von Entbehrungen geprägt. Ein luxuriöses Leben ließen die damals gezahlten Löhne nicht zu. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schwer das Auskommen zuweilen sein konnte, hat unser Team das Spiel „Haushaltsverwaltung“ entwickelt. Darin muss über vier Wochen das Leben einer fünfköpfigen Arbeiterfamilie finanziert werden. Einnahmen und Ausgaben müssen abgewogen und der Einkaufskorb entsprechend der gegebenen Möglichkeiten gefüllt werden. Ist ab und zu mal etwas Besonderes möglich oder muss man knapsen und auf das Nötigste achten?
4.) Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Deutschland eine umfassende Konsumgesellschaft. In den 1960er und 1970er Jahren äußerte sich daran zunehmende Kritik. Dass Menschen ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten schon damals über ihren Konsum ausdrückten, soll das Kombinationsspiel „Kaufen macht Spaß“ abbilden. Dafür wurden Charakterräume erstellt, die mit passenden Objekten angefüllt sind. Im Spiel müssen die Räume vorgegebenen Charakteren, die im Laufe der Spielschritte Rückmeldungen geben, richtig zugeordnet werden. Der Clou: die Objekte sind nicht nur im digitalen Spiel, sondern auch im Original in Vitrinen zu sehen, die je nach Spielsituation ausgeleuchtet werden. So entsteht ein konkreter Bezug zwischen Spielumgebung und echtem Raum.


Dies sind nur einige der Stationen, die in unserer neuen Dauerausstellung zu finden sein werden. An allen wird aktuell noch gefeilt, um sie technisch und inhaltlich auf die gewünschte Ebene zu bringen. Dieser kleine Einblick hat aber hoffentlich schon Vorfreude geweckt und Lust darauf gemacht, die Stationen selbst auszuprobieren.
Wir freuen uns jetzt schon darauf, sie bald in Aktion zu sehen!
Euer
Team der Zinkfabrik Altenberg


Klingt super interessant. Habe ich schon auf meine To-Do-Liste gesetzt.