Die Zinkfabrik erfindet sich neu!

Liebe Freundinnen und Freunde des LVR-Industriemuseums,

es tut sich was in der Zinkfabrik. Seit Mai ist die Dauerausstellung des LVR-Industriemuseums geschlossen. In der einstigen Walzhalle wird jetzt wieder richtig malocht: Schritt für Schritt bauen wir die Ausstellungseinbauten zurück und transportieren die Objekte zurück ins Depot. Derweil läuft der Ausstellungsbetrieb mit unserer (immerhin knapp 1000 Quadratmeter großen) Sonderausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ weiter. Im kommenden Jahr wird auch das nicht mehr möglich sein, dann wird Altenberg von außen für alle sichtbar zur Baustelle. Der Betrieb im Zentrum Altenberg gegenüber dem Museum geht derweil unverändert weiter.

Das Haus in die Jahre gekommen

Was haben wir vor? Gut 20 Jahre nach der Eröffnung des damaligen „Rheinischen Industriemuseums“ ist das Haus in die Jahre gekommen. Das hat damit zu tun, dass sich die Welt um uns verändert hat: War Oberhausen damals mit dem Elektrostahlwerk noch eine Stahlstadt, so ist das heute längst Vergangenheit; die Welt der Schwerindustrie, um die sich in der alten Dauerausstellung alles drehte, ist den Meisten fremd geworden. Wer sich für Kohle und Stahl interessiert hat heute – anders als vor 20 Jahren – auch die Möglichkeit, diese Geschichte hautnah an „richtigen“ Stahl-Orten wie der Henrichshütte Hattingen zu erleben. Wir werden deshalb in unserer jetzt geplanten neuen Dauerausstellung andere Geschichten erzählen – und diese auch anders erzählen.

Museen sind heute viel mehr als Orte, die stumme Objekte in Vitrinen präsentieren; sie wollen unterhaltsam und spielerisch vermitteln, und sie laden zum Mitmachen ein. In unserer bisherigen Dauerausstellung „Schwerindustrie“ gab es zwar viel zu sehen – aber wenig Raum, um etwas selbst zu tun. Museen sind heute auch lebendige Treffpunkte: Wir organisieren Feste und Tagungen, Workshops und Mitmach-Angebote oder gemeinsame Projekte mit Schulen. Doch für einen so vielfältigen Museumsbetrieb war die Walzhalle mit ihren Flächenaufteilungen und ihrer Technik nicht wirklich gemacht – von modernen Anforderungen an Sicherheit und Brandschutz ganz zu schweigen.

Das Museum noch einmal neu denken

Vor diesem Hintergrund haben wir von unserem Träger, dem Landschaftsverband Rheinland, die Chance bekommen, das Museum noch einmal neu zu denken und zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um Ausstellung, funktionale Veranstaltungsräume und ein schönes Café im Museumsfoyer. Wir wollen das Museum, das sich derzeit auf dem Altenberg-Gelände versteckt, sichtbarer machen, bereits baulich in sein städtisches Umfeld öffnen – und dieses Umfeld, das gesamte Altenberg-Areal, auch attraktiver machen. Der neue Museumseingang wird mitten im Innenhof liegen, neugierig machen und durch seine Gestaltung ins Museum einladen. Das ganze Gelände soll – endlich – autofrei werden, es soll ein Platz im Quartier entstehen, an dem man sich gerne aufhält. Wie wir das Schritt für Schritt und gemeinsam mit allen Anliegern umsetzen, darüber werden wir in diesem Blog berichten.

Die Pläne für die Umbauten der Gebäude und Außenanlagen stehen – im Grundsatz. Wie aber soll die neue Dauerausstellung aussehen? Geht uns Industrie überhaupt noch etwas an? Leben und Arbeiten sind – das ist unsere Ausgangsthese – auch im 21. Jahrhundert noch immer von dem geprägt, was das Zeitalter der Industrialisierung ausmachte. Weil viele Fabriken hierzulande verschwunden oder ausgewandert sind, sind wir uns dessen nur nicht mehr so bewusst.

Deshalb denken wir, dass uns ein Industriemuseum auch in Zukunft eine Menge zu sagen hat. Wir sind mehr denn je umgeben von Dingen, die industriell hergestellt sind – ob Handy, Auto, unser Hausrat ebenso wie unsere Mahlzeiten –, und so manche Prinzipien der industriellen Fabrikproduktion durchdringen heute, in kaum verhüllter Form, auch andere Lebens- und Arbeitsbereiche. Und wenn wir vom „Strukturwandel“ der Gegenwart sprechen, so reden wir über etwas, was eigentlich seit Beginn der Industrialisierung für die Menschen in Oberhausen prägende Lebenserfahrung, Teil ihres Lebensgefühls war. In Oberhausen, dieser Stadt der Industrie, blieb eigentlich nie ein Stein auf dem anderen.

Das Abenteuer des Umbaus hat begonnen

Eine solche Ausstellung müsste auch, aber nicht nur, von den Arbeitern in der Zinkfabrik vor 150 Jahren berichten. Sie erzählt davon, wie die Alltagsdinge heute von Menschen auf der anderen Seite des Globus hergestellt werden und was das mit uns zu tun hat. Sie zeigt, was Strukturwandel für die Menschen vor 100 oder 150 Jahren bedeutete. Sie sollte dabei nicht nur auf die Arbeit, das Herstellen der Dinge schauen, sondern auch auf die Dinge selbst, den Gebrauch der Dinge: Das Industriezeitalter war ja immer stärker vom Konsum geprägt, und was den Konsum der letzten 100 Jahre angeht, so haben wir eine großartige Museumssammlung im Depot, von der bislang viel zu wenig ausgestellt ist. Schließlich könnte diese Ausstellung an Einzelschicksalen aufzeigen, wie seit Beginn des Industriezeitalters die Antwort auf die Frage, wer wir sind, lautete: Zum einen gab es immer die Arbeit, mit der wir uns unseren Lebensunterhalt verdienen, von der wir Teilhabe erwarten und in der wir uns – hoffentlich – verwirklichen können; zum anderen lag diese Antwort aber immer auch in den Objekten der Begierde, die uns die Industrie im Überfluss brachte, mit denen wir uns umgeben, über die wir uns definieren und die uns etwas bedeuten.

Mit solchen Überlegungen und Fragen beschäftigen wir uns im Museumsteam. Ich hoffe, ich habe Sie ein wenig neugierig gemacht. Denn wir wollen Sie, unsere Freundinnen und Freunde, unsere Besucherinnen und Besucher, an dem jetzt beginnenden Prozess der Erneuerung teilhaben lassen. Dafür richten wir diesen Blog ein. Wir werden regelmäßig berichten, was sich auf Altenberg tut. Wir wollen unsere Ideen mit Ihnen teilen und freuen uns auf Ihr Feedback.

Das Abenteuer des Umbaus hat begonnen. Beim Bauen auf einem alten Fabrikgelände ist man vor Überraschungen ja nie gefeit. Und wir beginnen ja gerade erst zu verstehen, wie eine Ausstellung, die die oben skizzierten Fragen stellt, Spaß macht und ihre Besucherinnen und Besucher auch noch aktiv einbezieht, aussehen könnte. Überraschungen sind auch hier garantiert!

Ich würde mich freuen, wenn Sie am Entstehen unseres – Ihres! – neuen Museums in der Zinkfabrik Altenberg teilhaben möchten. Sind wir auf dem richtigen Weg? Sagen Sie es uns – der Blog ist offen!

Ihr

Walter Hauser

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s