Die Diskussionsteilnehmer*innen des zweiten Panels

Die neue Dauerausstellung als Ort für außerschulisches Geschichtslernen

Aufgaben, Herausforderungen und Lösungsansätze

Museen werden fünf traditionelle Kernaufgaben zugesprochen: das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und das Vermitteln. Es ist selbstverständlich, dass die Arbeit von Museen nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern dass sie gerade dazu dient, Wissen, Blickwinkel sowie Fragestellungen an die breite Öffentlichkeit heranzutragen und so zum Nachdenken und Diskutieren anzuregen. Geschichte vor Ort erleben zu können, ist eine wichtige Möglichkeit und Erfahrung, die oft bereits in Kindertagen, und hier vor allem in Form von Schulklassenbesuchen, gemacht wird. Gerade wegen dieses bedeutsamen Auftrages und vor dem Hintergrund der Neugestaltung unserer Dauerausstellung müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, wie Lehrkräfte und ihre Schulklassen von einem Besuch bei uns auf verschiedenste Weisen profitieren können.

Ein Beitrag von Isabelle Reckmann

Vor einigen Tagen hat das Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V. zu einem Konvent unter dem Titel „Außerschulisches Geschichtslernen? Bestandsaufnahme und Realitätscheck“ im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern eingeladen. Vertreter*innen von der schulischen Seite sowie aus Museen und Archiven waren vor Ort, um darüber zu diskutieren, wie es für Schüler*innen realistisch möglich gemacht werden kann, Geschichte vor Ort – etwa in Gedenkstätten, Archiven oder Museen – erleb- und greifbar zu machen.

Ohne Zweifel sind sich wohl alle darin einig, dass Kooperationen zwischen Schulen und Kultureinrichtungen grundsätzlich sinnvoll und für beide Seiten bereichernd sind. Jedoch zeigte sich in der Realität, dass Angebote im alltäglichen Miteinander hin und wieder auch an ihre Grenzen stoßen. Auf dem Konvent sollte darüber diskutiert werden, welche praktischen Herausforderung sowohl im Schulalltag als auch an den geschichtsvermittelnden Orten auftreten können und auf welche Weisen man diesen in Zukunft bestmöglich begegnen kann.

Isabelle Reckmann von der Zinkfabrik Altenberg
Isabelle Reckmann von der Zinkfabrik Altenberg
Foto: Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V.

Daher lud das Forum Geschichtskultur drei Lehrkräfte unterschiedlicher Schulformen, einen Vertreter der Bochumer Bezirksschüler*innen, die schulfachliche Dezernentin der Bezirksregierung Arnsberg sowie Vertreter*innen von Museen, Archiven und Gedenkstätten ein, um sich in zwei Panels diesen Fragen zu nähern. Für die Zinkfabrik Altenberg habe ich an der Diskussion teilgenommen. Gerade für uns war die Veranstaltung eine wichtige Gelegenheit, um im Austausch darüber reflektieren zu können, wie unser eingeschlagener Weg für die neue Dauerausstellung ankommt, welche Schritte fruchtbar sind und welche Punkte wir vielleicht noch nicht bedacht haben.

Im ersten Panel tauschten sich Vertreter*innen aus dem schulischen Umfeld darüber aus, welche Erfahrungen sie und ihre Schüler*innen bereits an außerschulischen Orten gesammelt hatten. Insgesamt seien die Besuche immer für alle Teilnehmenden eine gelungene Abwechslung und neuartige Erfahrung. Die Lehrkräfte berichteten davon, dass gerade die besonders interessierten Schüler*innen von den Besuchen profitieren würden, weil sie die Möglichkeit hätten, eigenständig und intensiv in eine Materie einzutauchen und so die eigenen Interessengebiete kennenzulernen oder auch zu vertiefen. Jedoch treten auch verschiedene Herausforderungen auf, die einen Ausflug zu einem Museum oder einem Archiv erschweren können.

An oberster Stelle stand für die Diskussionsteilnehmer*innen hier die Sorge, dass die Angebote vor Ort primär auf Grundschulen oder Gymnasien ausgerichtet sein könnten. Gerade die Lehrkräfte von Haupt- und Gesamtschulen befürchteten, dass die Führungen oder Workshops nicht auf ihre Klassen ausgelegt sein könnten. Es müsste gewährleistet sein, dass das Lernniveau sowie die thematischen Schwerpunkte angepasst und die Angebote multilingual zur Verfügung gestellt werden könnten. Nur so kann ein Besuch erfolgreich sein. Gibt es diese Möglichkeiten nicht oder sind sich die Lehrkräfte unsicher, ob diesen Anforderungen vor Ort nachgekommen werden kann, würden sie auf einen Besuch verzichten, damit die Schüler*innen keine negativen Erfahrungen sammeln müssten.

Ein weiterer Faktor ist, dass die Kosten eines Besuchs natürlich möglichst niedrig ausfallen sollten. Dazu gehört nicht nur der Eintritt oder die Workshop-Gebühren vor Ort, sondern auch die Kosten für die Anreise. Gerade wenn ein Museum nicht im unmittelbaren Umfeld der jeweiligen Schule liegt, müssten die Schüler*innen ein Zugticket kaufen, was für viele schlichtweg nicht möglich ist. Hier kann der LVR mit seinem Mobilitätsfonds aber Abhilfe schaffen.

Hinzu kommt, dass Zeit gerade bei den Lehrkräften knapp ist und die Planung von Besuchen der geschichtsvermittelnden Orte zusätzliche zeitliche Ressourcen erfordert. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Zeit vor Ort, sondern um die Vor- und Nachbereitung des Besuchs, inklusive der bürokratischen Organisation, der Planung der Unterrichtsreihe sowie der Einordnung im Nachgang. Ein Punkt, der ebenfalls dem Faktor Zeit zuzuordnen ist, ist die Suche nach einem passenden Angebot für die jeweilige Schulklasse. Das kann unter Umständen sehr aufwendig sein, wenn erst recherchiert werden muss, welche Orte infrage kommen, welche Angebote dort verfügbar sind und ob das jeweilige Angebot dann auch tatsächlich passend für die betreffenden Schüler*innen ist. Gerade an dieser Stelle wäre eine Unterstützung der Lehrkräfte durch die Kulturorte besonders sinnvoll.

Die Diskussionsteilnehmer*innen des zweiten Panels
Die Diskussionsteilnehmer*innen des zweiten Panels
Foto: Burkhard Zeppenfeld

Beim zweiten Panel saßen Vertreter*innen von Museen und Gedenkstätten zusammen, um sich über Herausforderungen bei der Gestaltung und Durchführung von Angeboten auszutauschen, aber auch, um über das Gehörte aus dem ersten Panel zu diskutieren und gegebenenfalls Lösungsansätze zu finden. Nach einer kurzen Runde, in der Jede*r ein Projekt aus dem eigenen Haus vorgestellt hatte, bestand sofort Einigkeit darüber, dass es immer wieder eine großartige und zugleich jedes Mal andersartige Erfahrung ist, wenn Schulklassen zu Besuch in die eigene Einrichtung kommen. Jedoch war auch zügig klar, dass Herausforderungen auf Seiten der geschichtsvermittelnden Orte nicht unbedingt während der Zeit des Besuches entstehen, sondern in der Regel davor. Denn die große Frage, die alle Kulturhäuser umtreibt, ist die, wie die Angebote an die Lehrkräfte herangetragen werden können.

Außerdem wurde der in dem vorherigen Panel angesprochene Punkt diskutiert, dass die Angebote differenzierbar sein müssten. Alle Beteiligten waren der Meinung, dass es kein Problem sei, dieser Anforderung nachzukommen. Bereits bei der Planung von Ausstellungen oder Workshops wird mitgedacht, dass es Anknüpfungspunkte für Klassen jeder Altersgruppe sowie aller Schulformen geben muss. Essenziell ist aber, dass Lehrkräfte uns ihre Voraussetzungen klar kommunizieren. Nur so können wir diesen auch gerecht werden, indem wir unsere Angebote anpassen oder Begleitmaterialien zur Verfügung stellen. Dabei müssen Lehrkräfte nicht einmal zu uns ins Haus kommen; ein Anruf ist vollkommen ausreichend. Jedoch bleibt grundlegend, dass ein ehrlicher Austausch stattfindet.

Diversität in unseren Angeboten bezieht sich aber nicht nur auf das, was wir vermitteln, sondern auch auf die Art und Weise, wie wir das tun. In diesem Punkt lautete bei allen Diskussionsteilnehmer*innen das Fazit, dass wir hier noch besser werden müssen. Wenn wir ein diverses Programm bieten möchten, müssen auch diejenigen Personen, die es vermitteln, diesem Anspruch gerecht werden. Das nehmen wir in jedem Fall für die Zukunft mit!

Wie sich auf dem Konvent zeigte, fehlt vor allem eine Möglichkeit der Vernetzung zwischen Lehrkräften und Kulturorten; also einer Plattform, auf der Lehrkräfte nach passenden Angeboten suchen können. Diese Plattform möchte das Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V. ins Leben rufen. Da persönliche Kontakte natürlich noch wichtiger sind, freuen wir uns über Jede*n, der auf uns zukommt. Also: Falls unter euch Lehrkräfte sind, oder jemand jemanden kennt, der/die Lehrkraft ist, könnt ihr gern eure Kontaktdaten bei uns hinterlegen, damit wir euch über unsere zukünftigen Angebote auf dem Laufenden halten können.

industriemuseum-oberhausen@lvr.de

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