Von Donnerstag, den 18.01. bis Dienstag, den 23.01.2024 präsentiert das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Kooperation mit dem Kino im Walzenlager den Dokumentarfilm „Auf der Kippe“ der vielfach ausgezeichneten Autorin und Regisseurin Britt Beyer. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Region Lausitz. Britt Beyer wirft in ihrem Film einen sensiblen Blick auf die vor Ort lebenden Menschen mit ihren Erinnerungen, Ängsten und Wünschen, aber auch mit ihrem unbedingten Willen, die Zukunft ihrer Heimat aktiv mitzugestalten.
Ein Beitrag von Isabelle Reckmann
Die Lausitz, Grenzregion mitten in Europa zwischen Deutschland und Polen und geprägt von den dortigen Braunkohlelagerstätten, hat schon viele Veränderungen erlebt. Der Braunkohlenbergbau prägte die regionale Identität und den Wohlstand von Generationen. Bis zur Wiedervereinigung galt das Lausitzer Revier als bedeutsamster Stromlieferant der DDR und auch heute noch gehört es zu den wichtigen Energielieferanten. Der Bergbau brachte einerseits gutbezahlte Arbeitsplätze und einen gewissen Wohlstand für die Menschen in der Region mit sich. Auf der anderen Seite bedeuteten die Tagebaue auch folgenschwere Auswirkungen auf die Umwelt, zu denen unter anderem das Absinken des Grundwasserspiegels, riesige Brachflächen und die Bedrohung der Biodiversität gehören. Auch für die Bewohner*innen der Region sind die Auswirkungen des Braunkohlenbergbaus deutlich spürbar: Weit über hundert Dörfer mussten in den letzten 80 Jahren der Kohle weichen und damit einhergehend auch über 30.000 Menschen umgesiedelt werden.
Mit der Wende fand in der Lausitz eine massive Deindustrialisierung statt, von der sich die Region noch immer nicht erholt hat. Neben dem Bergbau brachen auch die Glas-, Metall- und die Textilindustrien ein und 90 Prozent der Arbeiter*innen in der Kohleindustrie verloren ihren Job. Mit dem lang geplanten und im Juli 2020 gesetzlich beschlossenen Kohleausstieg steht die Lausitz abermals vor einem tiefen Einschnitt, der erneut für Unsicherheiten sorgt. Das neue Schlagwort lautet “Strukturwandel” und eine ganze Region muss sich wieder neu definieren.

Protagonist*innen des Filmes sind Menschen aus der Region: Der Oberbürgermeister der Stadt Weißwasser Torsten Pötzsch, der die Stadt seiner Kindheit verschwinden sah und darum die Zukunft fest im Blick hat. Die Umweltaktivistin Rebekka Schwarzbach, die für die Erhaltung von Waldgebieten und gegen das Fluten der stillgelegten Tagebaureviere mit Wasser, von dem es zu wenig gibt, kämpft. Die Geräteführerin Silke Butzlaff, seit über 30 Jahren im Bergbau tätig, fordert Anerkennung der Tradition und einen sanften Ausstieg. Auch die Familie Kowalick kommt zu Wort und spricht über das Leben in dem Ort Mühlrose in unmittelbarer Nähe des Tagebaus Nochten. Und der junge Facharbeiter rappt: „Gebt uns eine Zukunft, gebt uns ‘ne Perspektive …Kompetenzen vorhanden, die Fachkräfte sind hier.”
Einmal im Monat präsentieren wir im Kino im Walzenlager auf dem Gelände der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg einen Spiel- oder Dokumentarfilm, der an die Inhalte der neuen Dauerausstellung anknüpft. Zu Beginn des Bereiches Individualisierung legen wir das Augenmerk auf den Strukturwandel im Ruhrgebiet mit dem Fokus auf den Veränderungen, die dieser für die Stadt Oberhausen mit sich bringt. Die industriellen Facharbeiter*innen protestieren gegen die Stilllegung ihrer Betriebe und die Stadt Oberhausen soll umgestaltet werden, was vor allem an der „Neuen Mitte“ mit dem CentrO deutlich wird. Viele Bürger*innen erkennen ihre Stadt nicht mehr als diejenige wieder, die sie einmal war. Der Strukturwandel bringt auch mit sich, dass neue Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor und im Wissenschaftsbetrieb entstehen. Der „Malocher“ weicht der „Kopfarbeiterin“. Das von der Stadtplanung erwartete Wachstum bleibt jedoch aus und schnell wird klar, dass die entworfenen Konzepte fernab der Realität liegen. Dafür eröffnet sich in der ebenfalls stillgelegten Zinkfabrik Altenberg ein Raum für die Kultur der Bewohner*innen Oberhausens mit ihren Ideen und Lebensweisen. Zink Altenberg stellt also einen Ort dar, an dem wir in der Dauerausstellung den Strukturwandel des Ruhrgebiets beispielhaft nachzeichnen können.
| Spielwoche | 18.01., 19.01., 22.01. und 23.01. jeweils ab 20.00 Uhr, 21.01. ab 18.00 Uhr |
| Sprache | Deutsch |
| Dauer | 86 Minuten |
| Kosten | 7,00 EURO pro Person (auch Rentner*innen und Auszubildende) |
| Ermäßigt | 6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose und Studierende) |
Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet ihr auf der Homepage des Walzenlagers.
Anschrift:
Kino im Walzenlager, Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen
Bitte beachtet, dass die Hausnummer „Hansastraße 20“ für den gesamten Gebäudekomplex inklusive Museum gilt.