Auf dem Foto sieht man den Innenhof der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg. In der Mitte steht ein rotes Backsteingebäude mit türkisen Fenstern und türkiser Tür. Davor stehen zwei Bäume mit grünen Blättern, der Himmel ist blau und es scheint die Sonne.

Zum Internationalen Frauentag: Interview mit einer Akteurin vor Ort

Zum heutigen Internationalen Frauentag möchten wir euch eine Akteurin hier auf dem Gelände der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg vorstellen: Wir haben ein Interview mit Heike Sander von der Geschichtswerkstatt Oberhausen e.V. geführt. Sie ist seit 2005 Mitglied und seit fünf Jahren Vorsitzende des Vereins.

Interview geführt von Katharina Wonnemann

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, der Geschichtswerkstatt beizutreten?

Es gab von den damaligen Akteuren einen Aufruf, sich zu engagieren und bei der Geschichtswerkstatt (GeWe) mitzumachen. Mir waren die Aufgaben, das Thema und die Personen sofort sympathisch. Seitdem arbeite ich ehrenamtlich in dem Verein.

Was sind Ihre Aufgaben?

Ich kümmere mich vorwiegend um die Aboverwaltung und Verschickung unseres Journals „Schichtwechsel“, das zweimal im Jahr erscheint. Außerdem organisiere ich die Anmeldungen und die Standvergabe für unser jährliches „Buchgestöber“, unseren Büchermarkt. Ich bin auch ab und zu bei offiziellen Anlässen die Vertretung der GeWe nach außen.

Mit welchen historischen Themen beschäftigt sich der Verein?

Die GeWe Oberhausen beschäftigt sich mit der Regional- und Lokalgeschichte. Das Motto der GeWe – wie überhaupt von allen Geschichtswerkstätten, die ihre Ursprünge in den 1980er Jahren haben – ist: „Grabe, wo du stehst“. Es geht darum, Geschichte von unten, die Geschichte der sogenannten kleinen Leute, zu veröffentlichen, im Gegensatz zur allgemeinen Geschichtsschreibung.

Wie ist der Verein organisiert?

Der Verein wird seit drei Jahren nur von Ehrenamtlichen geführt, Haupt- oder Nebenamtliche gibt es schon länger nicht mehr. Wir müssen uns selber finanzieren, bekommen also keine Regelförderung. Aktuell gibt es 7 aktive ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in der GeWe, dazu noch diverse „stille“ Mitglieder und Förderer.

Fehlt es den ehrenamtlichen Geschichtswerkstätten und –vereinen an (weiblichem) Nachwuchs?

Ja, es fehlt überhaupt an Nachwuchs. Wir haben zwar ab und zu Anfragen zu einem Praktikum oder auch einer Mitarbeit, aber dadurch, dass wir selbst nicht regelmäßig vor Ort sind, ist das eigentlich nicht umsetzbar.

Welche Vorteile und Nachteile sehen Sie bei der Arbeit von Geschichtswerkstätten im Vergleich zur Arbeit in Institutionen, wie Universitäten oder Museen?

Der große Vorteil ist die Unabhängigkeit von staatlichen Geldern. Dadurch sind wir frei in der Wahl unserer Veranstaltungen und Aufträge, zum Beispiel dem Erstellen von Ausstellungen oder Broschüren, und müssen das nicht absprechen oder genehmigen lassen. Andererseits haben wir keine finanziellen Mittel, um zum Beispiel Personal zu bezahlen.

Welche Veranstaltungen und Publikationen sind für das Jahr 2024 geplant?

Auch in diesem Jahr findet zu Christi Himmelfahrt auf dem Altenberggelände unser Buchgestöber statt. Der Schichtwechsel erscheint im Mai und im November. Etwas anderes ist momentan nicht geplant, weitere Veranstaltungen können aber noch spontan dazukommen, zum Beispiel eine Lesung.

Greift die Geschichtswerkstatt Oberhausen auch Themen der Frauen- oder
Geschlechtergeschichte auf?

Ja, es gibt immer wieder einzelne Frauen, über die wir im Schichtwechsel berichten. Wir bringen in unregelmäßigen Abständen die kleine Broschüre „Vielfalt“ heraus, die kostenlos zu erhalten ist. Hier geht es um Oberhausener Frauen, deren Leben sozial oder politisch geprägt war. Zum Beispiel haben wir Texte über Luise Albertz, Helene Amalie Krupp und Käthe Rentmeister publiziert. Weiterhin haben wir eine Ausstellung zur Geschichte der Frauenbewegung in Oberhausen erstellt, die an unterschiedlichen Orten gezeigt wurde: „Veränderung ist Frauensache“. Außerdem haben wir vor ein paar Jahren im LVR-Industriemuseum eine Veranstaltung mit Gesang und szenischer Lesung zur Situation von Frauen in unterschiedlichen historischen Umfeldern organisiert. Diese Veranstaltungen haben wir in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle Oberhausen durchgeführt.

In der Geschichtswissenschaft wurden Frauen als Akteurinnen häufig vergessen und ihre Leistungen im Alltag, beispielsweise als Wissenschaftlerinnen oder politische Aktivistinnen, nicht anerkannt. Gibt es solche nichtbeachteten Frauengeschichten auch in Oberhausen? Gibt es eine Person, mit der Sie sich in Zukunft noch beschäftigen, oder ein Thema, welches Sie unbedingt noch untersuchen möchten?

Genau aus diesem Grund geben wir die „Vielfalt“ heraus und versuchen, auch hier die Geschichte von unten zu erzählen. Eine besondere Person oder ein Thema fällt mir spontan zwar nicht ein, mir ist es aber generell wichtig, die verschiedenen historischen Themen auch aus Frauensicht zu betrachten.

Vielen Dank an Heike Sander für die Beantwortung unserer Fragen!

Weitere Einblicke in die Arbeit der Geschichtswerkstatt Oberhausen erhaltet ihr auch auf dem YouTube-Kanal des soziokulturellen Zentrums Altenberg: Zentrum Altenberg für Zuhause – Folge 5: Geschichtswerkstatt e.V.


Foto Headerbild: Ingo Stöck

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