In diesem Monat wird es kritisch und nachdenklich. Das Kino im Walzenlager zeigt vom 20.02.2025 bis zum 25.02.2025 den bewegenden Dokumentarfilm „Dahomey“, der ein Thema berührt, das auch in unserer neuen Dauerausstellung auftauchen wird.
Ein Beitrag von Martin Kauder
Die Folgen des imperialen (herrschaftsgeprägten) Kolonialismus sind bis heute spürbar. Unvorstellbares menschliches Leid, wirtschaftliche Ausbeutung und extreme Gewalt wirken fort. Ganze Generationen wurden traumatisiert, unabhängige Staaten kämpfen nach wie vor mit ihrem kolonialen Erbe. Zu den greifbarsten Spuren der Epoche gehören die sogenannte „Beutekunst“ und andere Objekte, die aus kolonisierten Gebieten entwendet und zum Beispiel in europäische Museumssammlungen überführt, aber auch in private Hand gegeben und verkauft wurden. In den letzten Jahren mehren sich die Stimmen, die eine Rückkehr der aus heutiger Sicht unrechtmäßig angeeigneten Objekte in ihre Herkunftsländer fordern. Für die einen sind sie Symbole der Emanzipation und Unabhängigkeit, für andere wissenschaftliche Untersuchungsgegenstände oder geerbte Erinnerungsstücke. Viele Gegenstände werden immer noch ausgestellt und Hintergründe dabei nicht problematisiert. Debatten um „Restitution“ (Ersatz, Wiedergutmachung) werden entsprechend scharf geführt und verlaufen selten konfliktfrei.

Die französische Regisseurin Mati Diop beleuchtet in ihrer Dokumentation die Rückführung von 26 Kunstschätzen des Königreichs Dahomey. Im November 2021 gab die französische Regierung unter Präsident Emmanuel Macron unter anderem einen Thron aus Dahomey an das heutige Benin in Westafrika zurück. Doch reicht das aus? Der Schaden, den die Kolonialzeit in Benin auch 60 Jahre nach Erlangung der Unabhängigkeit verursacht, kann auf diese Weise kaum wiedergutgemacht werden. Denn ist nicht viel mehr verloren gegangen als geraubte Gegenstände – Identität, Kultur und Geschichte? Kann man solche Verluste überhaupt ausgleichen?
Welchen Weg sollte man also gehen? Diops Film präsentiert zu diesen Fragen unter anderem eine Diskussionsrunde von Studierenden der Université d’Abomey-Calavi.
„Dahomey“ wirft den filmischen Fokus auf einen einzelnen Bestandteil der umfangreichen Kolonialgeschichte des afrikanischen Kontinents. Die künstlerische Beschäftigung mit dieser Zeit regt dazu an, über ihre Spuren in unserer Umwelt nachzudenken. Sie mag zuweilen weit weg wirken, ist aber in unserem alltäglichen Leben präsent. So sind beispielsweise in Oberhausen Straßen nach ehemaligen Kolonialherren wie Lothar von Trotha (maßgeblich beteiligt am Völkermord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika) benannt. Viele Produkte, die für uns selbstverständlich sind, wurden erstmals während der Kolonialzeit nach Europa verschifft. Und unsere Vorstellungen Afrikas und seiner Kulturen sind nachhaltig von kolonialrassistischen Bildern geprägt. In der Folge kann es schwerfallen, reflektiert auf diesen Teil unserer Geschichte zu blicken. Vergessen werden darf dabei auch nicht, dass die Beziehungen zwischen Europa und Afrika nach wie vor imperiale Muster der Abhängigkeit und der Hierarchie beinhalten. Viele werfen der europäischen Politik vor, „neo-kolonial“ zu handeln und so koloniale Strukturen zu reproduzieren statt sie zu beseitigen und aufzuarbeiten.
In der neuen Dauerausstellung der Zinkfabrik Altenberg wird es deshalb unter dem Titel „Imperiale Träume“ ein Ausstellungssegment zur Kolonialzeit im Deutschen Kaiserreich geben. Denn auch wenn Deutschland erst vergleichsweise spät in den sogenannten „Wettlauf um Afrika“ einstieg und Kolonien gründete, war der Imperialismus zentral für das deutsche Selbstverständnis. Nicht zuletzt profitierte die industrielle Wirtschaft stark von der Ausbeutung der Rohstoffe und der Arbeitskraft in den kolonisierten Regionen. Wir zeigen einschlägige Exponate zum Thema und laden im Rahmen der Ausstellung vor Ort zur kritischen Auseinandersetzung mit imperialen und kolonialen Strukturen in Geschichte und Gegenwart ein.
Das Kinoprogramm im Februar
| Dokumentation | Frankreich/Senegal/Benin 2024, FSK 0 | |
| Termine | 20.02., 21.02., 24.02., 25.02. – 18.00 Uhr 23.02. – 16.00 Uhr |
| Sprache | Französisch mit deutschen Untertiteln |
| Dauer | circa 71 Minuten |
| Kosten | 7,00 EURO (auch Rentner*innen und Auszubildende) |
| Ermäßigt | 6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose, Studierende) |
Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet Ihr auf der Homepage des Walzenlagers.
Anschrift
Kino im Walzenlager.
Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen
Bitte beachtet, dass die Adresse für den gesamten Gebäudekomplex, inklusive Museum, gilt.
