Historische Umwälzungen treffen auf den Mikrokosmos einer Familie. Zwischen Donnerstag, dem 04.06. und Dienstag, dem 16.06. läuft im Kino im Walzenlager das neue, bewegende Drama des ungarischen Regisseurs László Nemes: „Andor Hirsch“.
Ein Beitrag von Martin Kauder
„Andor Hirsch“ (im Original „Árva“ für „Waise“) führt tief hinein ins Ungarn der Nachkriegszeit. Der jüdische Junge Andor lebt 1957 bereits seit zehn Jahren mit seiner Mutter Klára zusammen, nachdem er einige Zeit im Waisenhaus verbringen musste. Was er nicht weiß: Sein Vater ist im Holocaust umgekommen. Und so glaubt Andor, ihn irgendwann wiedersehen zu können. Bis dahin lebt er mit der verklärten Erinnerung an einen Vater, den er nie kennengelernt hat und der Hoffnung, diese Leerstelle in seinem Leben bald zu füllen.

Zur gleichen Zeit ist Ungarn in Aufruhr. Der Volksaufstand 1956 ist durch die Sowjetunion brutal niedergeschlagen worden. Versprengte Revolutionäre verstecken sich vor den politischen Behörden. Andor lernt einen der Revolutionäre kennen. Die Situation ist alles andere als sicher. Und während Andor noch mit seiner jüdischen Identität und religiösen Traditionen hadert, zieht vor seinen Augen eine neue Ära herauf. Hinter der Fassade der kommunistischen Regierung des Landes tritt die Vergangenheit (und Gegenwart) von Krieg, Antisemitismus und Holocaust zurück. Wie in anderen Staaten des Ostblocks gilt diese Zeit als beendet. Es soll vorwärts gehen – in eine bessere, sozialistische Zukunft.
Doch das gilt nicht für Andor und Klára. Die Vergangenheit holt sie ein. Eines Tages erscheint der Metzger Mihály Berend vor ihrer Tür. Er hat Andors Mutter während des Krieges vor der ungarischen Regierung, die mit den Deutschen kollaborierte, versteckt und sie damit vor der Deportation bewahrt. Nun will er Teil ihres Lebens werden und behauptet, Andors leiblicher Vater zu sein. Es scheint, als würde Andor die behütete (Schein-)Erinnerung an seinen Vater verlieren. Die Konfrontation spitzt sich zu. Und Andor, der zugleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, jüdischem Erbe und kommunistischer Utopie sowie dem Schicksal seines Vaters und dem seiner Mutter hin und her gerissen ist, sucht nach einem Ausweg…
Der Film feierte im August 2025 beim Filmfestival in Venedig seine gelungene Premiere. Regisseur László Nemes, der mit seinem Film „Son of Saul“ bereits einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewinnen konnte, liefert mit „Andor Hirsch“ Ungarns Beitrag zur Oscarverleihung 2026. Auch wenn dieses Mal keine Nominierung folgte – Nemes Mischung aus persönlicher Familienstudie und historischem Panorama verdient, gesehen zu werden. Film ab!
Das Kinoprogramm im Juni
| Termine | 04.06., 05.06., 06.06., 08.06., 09.06. – 20.00 Uhr 11.06., 12.06., 15.06., 16.06. – 20.00 Uhr 07.06. & 14.06. – 18.00 Uhr |
| Sprache | Deutsch |
| FSK | 12 |
| Dauer | circa 132 Minuten |
| Kosten | 7,00 EURO (auch Rentner*innen und Auszubildende) |
| Ermäßigt | 6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose, Studierende) |
Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet Ihr auf der Homepage des Walzenlagers.
Anschrift
Kino im Walzenlager.
Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen
Bitte beachtet, dass die Adresse für den gesamten Gebäudekomplex, inklusive Museum, gilt.
