Farbenfrohe Stoffwimpel, bunte Kreideflächen, liebevoll gestaltete Wegweiser und Grafiken vor blauem Himmel und backsteinfarbenen Industriegebäuden. Lachende, redende, gestikulierende, sich angeregt austauschende Menschen, teils mit Gehhilfen, Rollstühlen, Langstöcken, Assistenzhunden oder ohne sichtbare Unterstützung. Am 27. und 28.03.2026 fand auf dem Gelände der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg „Lass‘ mal gemeinsam machen | Ein Forum“ statt. Das fühlte sich fast so an, als wäre das Museum nicht geschlossen und das Gelände keine Baustelle mehr.
Doch der Reihe nach. 2023 wurde Oberhausen von der „Aktion Mensch“ als eine von vier Modellkommunen ausgewählt, um mit Hilfe einer fünfjährigen Förderung ein innovatives Netzwerkkonzept zu erproben. Träger sind der Caritasverband Oberhausen mit dem Kulturbüro und dem Bereich Chancengleichheit der Stadt Oberhausen. Ziel des Netzwerks ist es, Kunst und Kultur für mehr Menschen zugänglich zu machen.
Als wir vom LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg von dem Netzwerk erfuhren, waren wir natürlich sofort dabei! Wie in diesem Blog bereits zu lesen war, ist uns die Verbesserung der Barrierefreiheit auf dem Gelände und in der neuen Dauerausstellung ein großes Anliegen. Mit baulichen und inhaltlichen Maßnahmen tragen wir diesem Anspruch Rechnung. Doch damit ist es selbstverständlich noch nicht getan. Das Feld der Barrieren ist so weit, dass es sehr hilfreich ist, sich so vielfältig wie möglich zu informieren, auszutauschen und beraten zu lassen. Ein besonders wertvolles Projekt ist hier das Netzwerk „Lass mal gemeinsam machen – Inklusives Kulturleben in Oberhausen„.
Projektbeteiligt sind mittlerweile 25 Kulturinstitutionen, soziokulturelle Zentren, Träger der freien Wohlfahrtspflege, sowie Selbstvertreter*innen und freie Kulturakteur*innen aus Oberhausen. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung verpflichten sie sich, Inklusion und Kultur in ihren Institutionen zu fördern. Unter dem Motto „Lass mal gemeinsam machen!“ kommen seither regelmäßig Menschen mit und ohne (sichtbare) Behinderung in Netzwerktreffen zusammen. In diesen tauschen wir uns aus und lernen gemeinsam in verschiedensten Formaten voneinander sowie von externen Expert*innen (teils in eigener Sache). Dabei geht es um bestehende Barrieren und wie wir sie erkennen und abbauen können. So sollen mehr Menschen einen leichteren Zugang zu Kunst und Kultur erhalten. Viele inklusive Projekte konnten in der Folge von Netzwerkmitwirkenden in der Tandemmethode – jeweils mit Menschen mit und ohne (sichtbare) Behinderung – umgesetzt werden.
In diesem Jahr ist die Hälfte der Projektlaufzeit erreicht. Dieses „Bergfest“ haben sich die Koordinatorinnen des Netzwerkes zum Anlass genommen, ihre und unsere bisherige Arbeit mit der Forumsveranstaltung „Lass mal gemeinsam machen“ einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Das Zentrum Altenberg und das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg durften gemeinsam Gastgeber sein. Geboten wurde viel, und das in der uns Netzwerkteilnehmenden schon so wohlbekannten und liebgewonnenen Methodenvielfalt. Um alle Zugänge zu den Inhalten zu ermöglichen, wurden unterschiedliche Zugänge angeboten. Es gab beispielsweise Live-Übersetzungen der Gesprächs- und Vortragsinhalte. „Rombo Services“ und Madleen Engelmann übersetzen in Deutsche Gebärdensprache (DGS). Anne Leichtfuß und Franca Leistenschneider übersetzten in „Leichte Sprache“.
Außerdem wurde ein taktiler Orientierungsplan bereitgestellt, erstellt von Julia Benning und Richard Heuer. Darüber hinaus wurde ein Film über unsere Netzwerkarbeit gezeigt, der zusätzlich zur eingeblendeten DGS-Übersetzung mit einer Audiodeskription – einer Beschreibung der visuellen Inhalte – unterlegt war. Alle Vortragenden haben ferner darauf geachtet, ihr Äußeres sowie Bilder und Grafiken in ihren Präsentationen zu beschreiben, damit auch blinde und sehbehinderte Teilnehmende sich ein inneres Bild machen konnten. Die wundervolle Gestaltung der Räume und des Geländes durch Ursula Meyer und Andrea Barba, ein optional nutzbarer Ruheraum sowie ein Awareness-Team der „Initiative barrierefrei feiern“ rundeten das Angebot ab. So konnten viele Menschen auf die jeweils zu ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten passende Art den Inhalten des Forums folgen. An zwei Tagen wurde das Netzwerk in Film, (Impuls-)Vorträgen, Workshops, Erzählrunden und mit viel Zeit für persönlichen Austausch vorgestellt.

Eine der Erzählrunden durfte ich gemeinsam mit Richard Heuer gestalten. Richard Heuer ist Vorsitzender des Brailleschriftkomitee der deutschsprachigen Länder (BSKDL) und steht dem LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg bereits seit Jahren mit Rat und Tat zur Seite. Mit ihm habe ich viel über unsere Angebote für blinde Menschen diskutiert. Er hat mir im Entwicklungsprozess der Zentralachse hilfreiche Rückmeldungen gegeben. Durch seine Perspektive konnten wir schon in der Planungsphase Ideen testen und – wo nötig – nachbessern. Es war mir eine besondere Freude, diese Arbeit gemeinsam mit Richard im Rahmen des Forums vorstellen zu können. Unsere Tandemarbeit konnte so mit weiteren Menschen geteilt werden und wurde um weitere Erfahrungen von vielen Interessierten bereichert.
Hier ein paar Bilder von der Veranstaltung:
Für alle die mehr erfahren möchten: Schaut Euch doch auf der Webseite des Projekts um, dort findet ihr auch noch weitere Bilder und einen Film zum Forum.
Insgesamt haben das Forum sowie die positiven Rückmeldungen und anerkennenden Worte der Teilnehmenden die Netzwerkmitglieder sehr berührt. Das gibt nun der weiteren Arbeit einen neuen Schub. Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, erklärte während der Veranstaltung: „Zugang zur Kultur ist ein Menschenrecht, auch für mehr als 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen. Aber Inklusion gelingt nicht nur durch einzelne Leuchttürme, sondern durch stabile Netzwerke und mutige Kooperationen. Oberhausen zeigt eindrucksvoll, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderungen die Kulturlandschaft gemeinsam gestalten.“
Dies darf uns Lob und Mahnung zugleich sein. Denn leider gilt es nun, da das „Bergfest“ hinter uns liegt, darüber nachzudenken wie es weitergeht. Wie kann es gelingen, dass unser Netzwerk stabil bleibt und die Kooperationen fortgeschrieben werden, wenn die Förderung durch die ,,Aktion Mensch“ ausläuft?























