Brücken schlagen: Museum – Besucher*innen – Stadt

Ein Beitrag von Wiebke Hemme und Ingrid Trocka-Hülsken.

In die alten Gemäuer des Kesselhauses auf dem Gelände der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg kehrte wieder einmal Leben ein. Fast 100 interessierte Besucherinnen und Besucher lauschten am 28. Februar den Vorträgen von Vertreter*innen der Stadt Oberhausen und des Landschaftsverbandes, löcherten sie mit Fragen und brachten eigene Ideen zur Neugestaltung des Museums ein. Pressevertreter huschten durch den Raum, machten Fotos und Filmaufnahmen und interviewten einzelne Teilnehmer*innen.

Unter dem Titel „Brücken schlagen – Die Erneuerung des LVR-Industriemuseums Zinkfabrik Altenberg“ hatten das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg und das Projektbüro Brückenschlag der Stadt Oberhausen zur Diskussion und zur Mitarbeit eingeladen.

Blick ins Publikum. Foto: Carsten Walden

Die Veranstaltung begann mit einem Grußwort der LVR-Dezernentin für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, Milena Karabaic. Ihr Plädoyer: Die Industriekultur müsse sich neu erfinden und Fragen nach Vergangenheit und Zukunft stellen. An diesem Anspruch müsse sich auch das „neue“ Industriemuseum messen lassen.

Daniel Schranz, Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen, zeigte in seinem Grußwort die Bedeutung des Industriemuseums für die Stadt auf. Mit seinen verschiedenen Schauplätzen präge es die Identität der Stadt mit. Wunsch der Stadt sei es, dass Museum und Zentrum Altenberg zum Place to be werden und die Brücke in Richtung Innenstadt geschlagen werde.

In ihren Vorträgen stellten Dr. Walter Hauser, Direktor des LVR-Industriemuseums, und Dr. Burkhard Zeppenfeld, Schauplatzleiter der Zinkfabrik Altenberg, die Umbaupläne vor und erläuterten die Gründe für die Baumaßnahmen und die Neuausrichtung. Was ist nun unsere Motivation, eine neue Dauerausstellung zu konzipieren, wenn es doch bereits eine sehr schöne gab? Die Ausstellung endete inhaltlich in den 1980er Jahren und war somit nicht mehr aktuell. Mittlerweile hat das Publikum auch andere Erwartungen an ein Museum. „Wir wollen ein Forum für Themen unserer Zeit sein“, so Walter Hauser. Ein Museum sei nicht statisch; es solle ein Raum für Diskussion und Interaktion sein.

Burkhard Zeppenfeld ging auch auf die aktuelle Konkurrenzsituation ein. Bei der Neuausrichtung wolle das Museum stärker als bisher mit seinen Besonderheiten punkten: „Immerhin haben wir hier die älteste erhaltene Fabrikanlage im Ruhrgebiet, deren erste Bauten schon lang vor der Gründung der Stadt hier entstanden. In den 1980er Jahren wurde hier eines der ersten kulturellen Zentren in einer ehemaligen Produktionsstätte gegründet“, erklärte Zeppenfeld. Zudem zeigte er die bisherigen Planungen für die neue Dauerausstellung auf. Die wichtigste Veränderung: Es wird kein Museum des Eisens und Stahls mehr sein und der Mensch wird stärker in den Fokus rücken. Mittlerweile sind der Rückbau der alten Dauerausstellung „Schwer.Industrie“ und der Vorentwurf für die neue Ausstellung abgeschlossen. Die gesamten Umbauten werden noch bis Ende 2022 dauern.

Dr. Burkhard Zeppenfeld präsentierte den aktuellen Stand der Planungen für die kommende Dauerausstellung. Foto: Carsten Walden

Ralf Güldenzopf, Dezernent für strategische Planung und Stadtentwicklung der Stadt Oberhausen, erläuterte die Einbettung der Erneuerung des LVR-Industriemuseums in den Stadterneuerungsprozess Brückenschlag. Bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Innenstadtentwicklung stehe die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Angestrebt werde ein städtebaulicher, thematischer und gesellschaftlicher Brückenschlag zwischen den Stadtteilen Alt-Oberhausen und Lirich. Das LVR-Industriemuseum spiele dabei als Heimat- und Identifikationsort im Quartier eine zentrale Rolle.

Anschließend stellten sich Vortragenden in einer Podiumsdiskussion den Fragen des Publikums. Hier erläuterte auch Christoph Kaiser vom Vorstand der Soziokulturellen Vereine Altenberg e.V. deren Umbaupläne für das Zentrum Altenberg.

Dr. Burkhard Zeppenfeld, Dr. Walter Hauser, Christoph Kaiser, Milena Karabaic, Daniel Schranz, Ralf Güldenzopf und Franz Muckel (ehemaliger Citymanager Alt-Oberhausen und Moderator der Veranstaltung). Foto: Carsten Walden

Daraufhin teilte sich das Publikum. In drei Workshops wurden denkbare Vermittlungsformate, mögliche Kooperationspartner und Veranstaltungsformen sowie die Verknüpfung des Museums mit der Innenstadt diskutiert. Die Themen waren vielfältig: Der Ausbau von Schulkooperationen kam genauso zur Sprache, wie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen, Hochschulen und anderen Institutionen. Vom Demenzprogramm bis zur Lehrerfortbildung, dem Wunsch nach möglichst authentischer Vermittlung der Inhalte bis zu der Idee zusätzlicher Öffnungszeiten wurden viele Anregungen lebhaft diskutiert.

Angeregte Diskussion in einem der Workshops. Foto: Carsten Walden

Ein Museumsumbau ist eine Mammutaufgabe, an der wir meist hinter verschlossenen Türen arbeiten. Über das rege Interesse der Öffentlichkeit haben wir uns daher sehr gefreut. Unsere Ideen mit der Öffentlichkeit zu teilen und Feedback zu erhalten war ein wichtiger Schritt im Arbeitsprozess. Stadt und Museum haben interessante und wichtige Rückmeldungen bekommen. Sie werden auf jeden Fall in unsere Arbeit einfließen. Vieles, was diskutiert wurde, wird sich in unseren späteren Programmen wieder finden.

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