Tag der Arbeit, Maifeiertag oder Kampftag der Arbeiterbewegung: der Erste Mai hat viele Namen und bis heute eine große Bedeutung für die nationale und internationale Gewerkschaftsbewegung. Bei der Recherche zu diesem Blogbeitrag sind wir in unserer Sammlung auf eine Vielzahl von Ansteckern mit politischen Botschaften rund um Themen wie Arbeits-, Sozialrecht und Streik gestoßen, die wir euch heute zeigen möchten.
Ein Beitrag von Katharina Wonnemann
Die Anstecker stammen zum Großteil aus den 1980er Jahren und von verschiedenen Gewerkschaften – etwa dem DGB (Deutschen Gewerkschaftsbund) und der IG Metall (Industriegewerkschaft Metall), aber auch von heute nicht mehr existierenden Gewerkschaften, wie der HBV (Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen), die 2001 in der Gewerkschaft ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) aufging.

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum
Die Anstecker repräsentieren verschiedene Arbeitskämpfe, die in den jeweiligen Jahren geführt wurden: 1984 wurde zum Beispiel für die Einführung einer 35 Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in der westdeutschen Metallindustrie gestreikt (Anstecker 1 und 2). Die Arbeitgeber reagierten mit sogenannten Aussperrungen, die heute nicht mehr üblich sind. Hierbei werden Arbeiter*innen ohne Lohnfortzahlung von der Arbeit freigestellt und müssen dann von der Gewerkschaft unterstützt werden. Bei den Demonstrationen von 1984 kam es sogar zu sogenannten „kalten Aussperrungen“, die auch Arbeitende in nicht-streikenden Betrieben betrafen. Aufgrund bundesweiter Proteste konnte zunächst eine verkürzte Arbeitszeit von 38,5 Stunden ausgehandelt werden, die bis Mitte der 1990er Jahre schrittweise auf 35 Stunden gesenkt wurde.
Der 1949 gegründete DGB ruft jedes Jahr unter einem bestimmten Motto zum Ersten Mai auf, 1981 etwa mit den Schlagworten „Vollbeschäftigung, Mitbestimmung, Soziale Sicherheit“ und 1983 mit dem Slogan „Arbeit für alle, Mitbestimmung – Prüfsteine der Demokratie“ (Anstecker 4 und 5). Laut eigenen Angaben hatte der DGB in diesen Zeiträumen aber auch Probleme, ausreichend Menschen für den Tag zu mobilisieren (Tag der Arbeit. Geschichte des 1. Mai – DGB). Zum heutigen Ersten Mai 2024 fordert der DGB „mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit“.
Abschied vom Malocher!?

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: Manfred Vollmer / LVR-Industriemuseum
In der neuen Dauerausstellung stehen die Menschen in der Industriegesellschaft im Vordergrund – dementsprechend spielen Arbeiter*innen und Arbeitskämpfe in unterschiedlichen historischen Zusammenhängen in den verschiedenen Bereichen der Ausstellung durchgehend eine wichtige Rolle. Ein Beispiel, das zeitlich auch zu unserem Fund an Ansteckern passt, ist in der Ausstellungsgruppe „Abschied vom Malocher“ im Bereich Individualisierung zu finden. Hier geht es um die Stilllegungen von (Schwer-)Industrien in den 1980er und 1990er Jahren und den damit einhergehenden Verlust von Jobs, gegen die viele Arbeiter*innen massiv protestierten.

Bild: LVR-Industriemuseum
Neben anderen Objekten, die die Akteur*innen der Stilllegungsprozesse und ihre Arbeitskämpfe thematisieren, finden Besucher*innen hier auch Produkte zur anschließend einsetzenden „Malocher-Nostalgie“, die heute noch zu kaufen sind: Die links stehende Schaufensterpuppe wird dekoriert mit Malocher-Cap und T-Shirt, einem Ruhrgebiet-Fanschal und weiteren aktuellen Gegenständen, die für einen romantisch-verklärten und meist männlichen Blick auf die vergangene Industriearbeit stehen. In den nachfolgenden Ausstellungsbereichen werden wir dann zeigen, wie sich die Arbeitsplätze und ehemaligen Industrielandschaften im Laufe der Zeit verändert haben.
Nice post.I subscribed. Have a happy week🍀☘️💝
https://dinkelschnitte.files.wordpress.com/2012/10/kohl-003.jpg
Vielen Dank für den weiteren Anstecker!
Dieser Anstecker befindet sich auch in unserer Sammlung und stammt aus der Bundestagswahl 1987. „Birne“ war ein Spottname für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl.