Seit dem 01.10. bin ich als Volontärin im LVR-Industriemuseum (IMus) bei der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen tätig. Ein Volontariat versteht sich als zweijährige Ausbildung. In diesem lerne ich spezifisch alle sieben Fachbereiche des Museums kennen: Sammlung, Bewahrung, Dokumentation, Ausstellung, Bildung, Kommunikation und Management. Als die Zusage kam, war ich gespannt, wie der Einstieg bei einem Museum abläuft, das sich derzeit noch im Umbau befindet. Es ist also ein Volontariat in einem Museum, das nicht klassisch den Museumsbetrieb abbildet, sondern die komplette Neugestaltung einer Dauerausstellung mit all ihren Baustellen und Herausforderungen dokumentiert.
Ein Beitrag von Anna Blum
Das IMus ist dabei nicht ein klassisches Museum, sondern setzt sich aus acht Schauplätzen, also acht einzelnen Museen, in sechs Städten (Bergisch Gladbach, Engelskirchen, Euskirchen, Oberhausen, Ratingen und Solingen) zusammen. Zu Beginn meines Volontariats waren noch nicht alle meine Aufgabenbereiche klar, mit der Zeit taten sich aber viele Aufgabenfelder auf. Jeder Tag bringt zurzeit etwas Neues und manchmal auch Unverhofftes.
So erlebte ich bereits in meiner ersten Arbeitswoche meine erste Tagung in Solingen, einem weiteren Schauplatz des LVR-Industriemuseums. Bei der Tagung ging es um die Erinnerung an die Arbeitsmigration von Frauen in Europa, wobei ein besonderer Fokus auf dem Ruhrgebiet als Industrieregion lag. Dabei kamen Museumsmacher*innen und Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Ländern Europas zusammen. Ziel ist die Erstellung einer Webseite zum Thema „Female Labour Migration in European History“. Wir haben dazu hier bereits einen Blogeintrag erstellt.
Da ich in meiner Masterarbeit das Thema Arbeitsmigration behandelt habe, war die Tagung ein schönes Erlebnis, um vorhandene Kenntnisse zu vertiefen, Neues zu lernen und einen weiteren Schauplatz des IMus zu erkunden.

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum
In den ersten zwei Monaten konnte ich zudem zwei weitere Schauplätze des IMus kennenlernen: den Peter-Behrens-Bau in Oberhausen und die Textilfabrik Cromford in Ratingen. Der „PBB“, wie er im Museum liebevoll genannt wird, ist das Depot für alle Museumsschauplätze und beherbergt ca. 150.000 Objekte, die durch die Abteilung Sammlung betreut werden. Kein Wunder also, dass er sich über sieben Etagen erstreckt und sogar noch eine Ausstellung zu Peter Behrens selbst beinhaltet. In Ratingen durfte ich an einer MusPäd-Runde, also einem zentralen Treffen aller Schauplätze teilnehmen, die sich mit dem Thema Museumspädagogik auseinandersetzen. Hier sammelten wir in einem Workshop Ideen für eine geplante neue Sonderausstellung, die später durch einige Schauplätze wandern wird. Darüber hinaus tauschte die Runde sich über zentrale Fragen der Museumspädagogik und verschiedene Themen aus den einzelnen Schauplätzen aus.

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum
Generell bestanden die ersten Wochen viel aus selbstständigem Einarbeiten und Einlesen in die Industrie- und Museumsgeschichte der Zinkfabrik Altenberg sowie dem Einarbeiten in vorhandene Prozesse, wie z. B. Besprechungen und Tagesabläufe. Mein erstes kleines Projekt bildete das digitale Zusammenschneiden und Formatieren von Scans. Museum kann also auch digital. Somit konnte ich meine Bildbearbeitungs- und Schnittkünste schärfen.
Mein erstes größeres Projekt, das sich schon in der Abschlussphase befindet, bildet die Neuaufstellung der Elektrozentrale auf dem Gelände Altenberg. Hierfür schreibe ich Objekttexte zu den vorhandenen Maschinen in der Elektrozentrale und verfasse einen Überblickstext über die Funktion und Baugeschichte des Gebäudes. Semantisch optimiert Museumstexte zu verfassen und inklusiv zu schreiben, sind Prozesse, die gut gelernt und geschult werden müssen.

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum
Außerdem bin ich Teil des Ausstellungsteams und werde ab sofort unseren Bereich C in der Dauerausstellung mitgestalten. Dieser beschäftigt sich mit dem Zeitraum der 1980er Jahre bis heute und bildet unter anderem den Strukturwandel der Industrielandschaften ab. Museumspädagogisch stehen die Recherche zu einer Person für die Podcastaufnahme für den FabrikFunk, die Aufnahme selbst und der Schnitt an. Ich bin dabei an der Produktion der zweiten Staffel beteiligt. Die erste Staffel ist seit letztem Jahr hier hörbar. Da ich früher schon ein ähnliches Projekt in Delmenhorst in der Nordwolle mitgestalten durfte, bin ich gespannt, inwiefern sich Ablauf und Durchführung im Vergleich unterscheiden.
Was in einer Ausstellung neben den Texten und Objekten, von denen ich einige mitanschaffen werde, nicht fehlen darf, sind die Medien. Da Museen sowohl inklusiver als auch digitaler werden, zeigt sich hier eine Herausforderung, beide Themen gut zu vereinen. So diskutieren wir über die Möglichkeiten, dies in einem Media Guide abzubilden und hier zum Beispiel leichte Sprache und Gebärdenvisualisierung einzubringen. Bestimmte Sprachauswahlen und Thematiken für Rundgänge werden in den nächsten Jahren geplant und umgesetzt werden.
Eine erste Veranstaltung zum Thema Volontariat besuchte ich ebenfalls schon. Alle LVR-Volontär*innen trafen sich in der Abtei Brauweiler zum Thema Denkmalpflege und Kulturgut. Ein großer Mehrwert des Treffens war, dass eine neue Vertretung gewählt wurde. Diese beschäftigt sich mit allen „Volos“ – so nennen wir uns selbst – und deren Anliegen.

Foto: LVR-Industriemuseum

Foto: LVR-Industriemuseum
Mit diesem ersten Blogbeitrag steige ich mit in die Öffentlichkeitsarbeit ein, die einen weiteren Teil der Museumsarbeit abbildet. Ich nehme in den nächsten Monaten an einigen Blogsitzungen teil, schreibe Texte und bin Teil des Redaktionsteams. Somit ist dieser in den nächsten knapp zwei Jahren vermutlich nicht mein letzter Beitrag. Es zeigt sich: Museumsarbeit ist vielseitig. Ich bin gespannt, was mich in den nächsten zwei Jahren erwartet und freue mich auf Veranstaltungen sowie weitere Projekte, die wir gemeinsam planen und umsetzen. Ich lasse mich überraschen!
