„Museumsarbeit ist vielseitig“ oder „Ein Hoch auf die Museumsarbeit!“

Liebe Leserinnen und Leser, Museumsarbeit ist vielseitig. Diesen Satz haben schon andere als Einstieg genutzt (1, 2,3), ich möchte ihm noch einen ergänzenden Halbsatz voranstellen: Es ist großartig in einem Museum zu arbeiten, denn die Museumsarbeit ist vielseitig.

Ein Beitrag von Daniel Simon Böhmer

Es ist großartig, dass es in der Museumsarbeit immer neue spannende Herausforderungen gibt. Dazu gehört neben der Recherche nach Objekten mit erzählenswerter(n) Geschichte(n), auch Gespräche mit Leihgebern und Leihnehmern. Im LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg kam in den letzten zwei Jahren noch hinzu, dass die Schließung der Dauerausstellung vorbereitet und realisiert werden musste, während neue Ausstellungen mit den dazugehörigen Begleitprogrammen, konzipiert und zielgruppengerechte Angebote beworben wurden. Museumsbesucherinnen und –besucher wurden durch die Ausstellungen geführt und Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten und noch vieles mehr. Immer mit dem Ziel möglichst viele und vielfältige Zielgruppen für das Museum zu begeistern, während zweidrittel der Ausstellungsfläche mehr und mehr zur Baustelle wurden. Mit diesem Beitrag werde ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Arbeit in einem Museum geben, wie ich sie als Volontär im LVR-Industriemuseum kennengelernt habe.

Spannend fand ich die unzähligen Objekte, die auf unseren Tischen landeten. Einige wurden geplant angekauft oder dem Museum ganz offiziell geschenkt. Aber Sie ahnen nicht, wie viele Objekte wir plötzlich und unerwartet von unseren Museumsgästen erhalten. Im schlimmsten Fall fanden wir historisch wertvollen Objekte morgens vor der Tür des Museums wie abgelegten Unrat, oder es wurden Gegenstände im Museumsshop abgegeben. Leider vergessen die noblen Spenderinnen und Spender dabei, dass wir Hintergrundinformationen zu den Objekten benötigen. Nur zusammen mit diesen Informationen, wie die über vorherige Besitzer, die Herkunft oder eine Datierung, können wir die Objekte in unsere Museumssammlung integrieren und ihre Geschichten erzählen.

Grade heute lag eine Ausgabe der „Werkzeitschrift der Concordia Bergbau A.G. Oberhausen“ von Weihnachten 1954 auf meinem Tisch. Beim Eintragen der Daten in unsere Datenbank fiel mir auf, dass der Spender leider nicht einmal seinen Namen hinterlassen hat. In diesem Fall ist das weniger dramatisch, da die Zeitschrift zumindest zeitlich leicht einzuordnen ist, dennoch fehlt uns die persönliche Geschichte dieser Zeitschrift.

Seit April bauen wir unsere Dauerausstellung um. Bis Ende 2018 lief der Museumbetrieb mit unserer Sonderausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“, bei der ich eigene Themeneinheiten kuratiert habe, weiter. Diese Kombination brachte weitere interessante Aufgaben mit sich, die es zu bewältigen galt. Das heißt, dass neben den umfangreichen Ausräum- und Bauarbeiten weiterhin Besucherinnen und Besucher, ob einzeln oder in Gruppen in die Zinkfabrik Altenberg kamen, deren Museumsbesuch nicht durch die Arbeiten getrübt werden sollte – Eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Es konnte vorkommen, dass mehrere Museumsmitarbeitende – ob Aufsichten, Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler oder Handwerker – dabei zu sehen waren, wie sie Sand in Schubkarren transportierten oder auf einen Berg innerhalb eines Containers schaufelten. Ich kann Ihnen versichern, dass dies ein seltener Anblick, aber auch eine anstrengende Arbeit war, die für uns zum Alltag gehörte. Nichtsdestotrotz stellte auch dies eine angenehme Abwechslung im Arbeitsalltag dar und hat den Besuch im Fitnessstudio, zumindest an einem Tag, unnötig werden lassen.

Natürlich musste auch unser Begleitprogramm zur Sonderausstellung geplant und beworben werden. Dies und unsere Werbemaßnahmen sind interessante Aufgabengebiete, denen ich mich widmete. Glauben Sie mir, eine gute Pressemitteilung zu erstellen, die mit einem tollen Zeitungsbeitrag belohnt wird, ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Highlights können natürlich auch Führungen sein. Diese kommen für uns nicht so oft vor, wie viele Menschen denken. Auch unsere Schülerpraktikantin Arvin Omar ging davon aus, dass Führungen den größten Teil der Museumsarbeit ausmachen. Die meisten Führungen werden bei uns jedoch durch spezielle Besucherbegleiterinnen und -begleiter durchgeführt. Hin und wieder müssen aber auch wir einspringen und machen dies gerne. Mir haben meine Führungen am besten gefallen, wenn ich die Gruppe erreichen konnte, ihr Interesse geweckt habe und den Menschen Freude an der Geschichte vermitteln konnte. So stellt für mich eine Führung eine absolute Bereicherung meines Arbeitsalltages dar.

Da Monotonie für mich etwas Schlimmes ist, bin ich sehr froh in einem so vielfältigen Arbeitsbereich tätig zu sein. Die Museumsarbeit ist jeden Tag aufs Neue interessant, vielfältig und facettenreich! Ich würde nicht tauschen wollen.

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