Abgedunkelter Vorführraum des Kinos im Walzenlager.

FabrikKino: Wir waren Kumpel – Vom Leben ohne Zeche

Von Donnerstag, den 23.05. bis Dienstag, den 28.05.2024 präsentiert das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Kooperation mit dem Kino im Walzenlager die dokumentarische Erzählung „Wir waren Kumpel – Vom Leben ohne Zeche“ der beiden Filmemacher Christian Johannes Koch und Jonas Matauschek. Der atemberaubend schön gefilmte Dokumentarfilm begleitet fünf Bergleute durch die Zeit der Transformation vom Mythos Bergbau zum Alltag ohne Zeche und schaut dabei auch auf ihre ganz persönliche und berufliche Neuorientierung. Der Filmbeitrag ist für den DOK.deutsch Wettbewerb nominiert.

Mythos Bergbau: Seit Dezember 2018 ist der Steinkohlenbergbau in Deutschland Geschichte. In den Köpfen und Herzen vieler Menschen leben die Bilder von der harten Arbeit unter Tage, von starken Bergarbeitern und solidarischen Kumpels jedoch weiter. Wie aber sieht das Leben der ehemaligen Bergleute heute aus? Und wie gestaltet sich ein Leben ohne Zeche? Der Film folgt fünf Personen von den letzten Arbeitstagen in der Zeche Auguste Victoria über die Stilllegung des Bergwerks bis zu den ersten Schritten hin in ein Leben ohne Zeche.

Filmplakat zum Film Wir waren Kumpel
Filmplakat zum Film „Wir waren Kumpel“ Plakat: Kino im Walzenlager

Wir treffen die Prototypen des Kumpels: Wolfgang Herrmann und Marco Edelmann alias „Locke“ und „Langer“, die sich blind verstehen und immer einen Spruch auf den Lippen haben. Bis zum letzten Tag stehen sie ihren Mann unter Tage, doch dann kommt die Zeit ohne Kumpeltum und Schichtbetrieb. Auch Martina Klimatzki hat als Bergarbeiter unter Tage gelernt, entschließt sich jedoch im Laufe dieser Zeit zu einer geschlechtsangleichenden Behandlung und lebt seitdem als Frau. Nicht nur ihr Weg dorthin, auch die Begegnungen mit alten Bekanntschaften und den ehemaligen Kumpels bedeuten große Herausforderungen für sie.

Ganz anderen Hindernissen muss sich Kauenwärter Thomas Hagedorn stellen, der nach der Zechenschließung viel mehr Zeit in der gemeinsamen Wohnung mit seiner Mutter verbringt. Kirishanthan „Kiri“ Nadarajah hat nach seiner Flucht aus Sri Lanka vor 20 Jahren in der Arbeit als Werkslokführer auf der Zeche eine neue Heimat gefunden. Ohne die tägliche Anerkennung der Kumpels stellen sich dem jungen Familienvater neue Aufgaben im Alltag, der nun ganz anders verläuft.

Die Zeche Auguste Victoria in Marl und Haltern am See heute
Die Zeche Auguste Victoria in Marl und Haltern am See heute Foto: Wikipedia Commons

Die Langzeitbeobachtung, die Christian Johannes Koch und Jonas Matauschek über einen Zeitraum von drei Jahren eingefangen haben, beginnt mit der letzten Schicht der fünf Kumpel. Auf diese Weise möchte das Regieduo dem Publikum aufzeigen, wie sehr die Bergleute durch ihren Beruf und ihr Milieu geprägt wurde. Koch und Matauschek lassen ihre Protagonist*innen erzählen und bringen so den großen Bruch in ihren jeweiligen Leben, der das Ende des Bergbaus für die Kumpel bedeutet, auf die Leinwand. Mit eindringlichen Bildern, Dialogen und Kommentaren komponieren die beiden Regisseure ein berührendes Panorama von der Vergangenheit unter Tage und dem Beginn vom Rest des Lebens. Der Film gibt tiefe Einblicke in den Alltag der Protagonist*innen und zeigt, wie sie mit den Umbrüchen ihres Lebens umgehen. Er hinterfragt den Mythos Bergbau mit seinen historisch gewachsenen Rollenbildern und lotet aus, welche Bedeutung Arbeit, Familie und Freundschaften für das Leben haben können.

Jeden Monat wird im Kino im Walzenlager auf dem Gelände der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg ein Spiel- oder Dokumentarfilm präsentiert, der sich thematisch an den Inhalten der neuen Dauerausstellung orientiert. Weil die (Zechen-)Stilllegungen die Menschen im Ruhrgebiet und damit auch in Oberhausen beschäftigt und teilweise auch persönlich betroffen haben, findet diese Thema natürlich auch einen Platz in der neuen Dauerausstellung. In der Gruppe „Abschied vom Malocher“ im Bereich Individualisierung rücken wir Proteste, die sich gegen diese Stilllegungen richteten, in den Mittelpunkt. Neben einer Fotoserie können die Besucher*innen das letzte Teilstück einer Eisenbahnschiene, welches 2013 bei Thyssen in Duisburg gefertigt wurde, anschauen. Außerdem präsentieren wir eine Blechwand, die ursprünglich Teil eines Oberhausener Elektrostahlwerkes war. Das Besondere an diesem Objekt sind die Inschriften, die die Arbeiter*innen bei ihrem letzten Abstich am 19.12.1997 auf dem Blech hinterlassen haben. Dann vollziehen wir einen Perspektivwechsel auf die Zeit nach den Stilllegungen. Auch wenn die Bergarbeiter heute nicht mehr in den Schacht einfahren, bleibt die Malochernostalgie in den Köpfen der Menschen verankert und gehört zur Ruhrgebietsidentität dazu. Das verdeutlichen wir anhand einer Schaufensterpuppe, die mit typischen Ruhrgebietsinsignien wie einem Stahlkind-T-Shirt, einen Ruhrgebiets-Fanschal oder einer Malocher-Kappe bekleidet ist.

SpielwocheSpielwoche: 23.05., 24.05., 27.05. und 28.05., jeweils ab 18.00 Uhr, 26.04. ab 16.00 Uhr
SpracheDeutsch
Dauer104 Minuten
Kosten7,00 EURO pro Person (auch Rentner*innen und Auszubildende)
Ermäßigt6,00 EURO (Menschen mit Behinderung, Schüler*innen, Kinder, Arbeitslose und Studierende)

Mehr Informationen zur Kartenreservierung findet ihr auf der Homepage des Walzenlagers.

Anschrift:

Kino im Walzenlager, Zentrum Altenberg
Hansastraße 20
46049 Oberhausen

Bitte beachtet, dass die Hausnummer „Hansastraße 20“ für den gesamten Gebäudekomplex inklusive Museum gilt.

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